Schiffbaubetrieb

Bremer Werft Lürssen übernimmt insolventen Peene-Werft

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Foto: Seit heute Geschichte: die Wolgaster Peene-Werft.

Wolgast/Bremen - Die P+S-Werften sind Geschichte. Die Bremer Lürssen-Werft kauft den insolventen Schiffbaubetrieb in Wolgast. Für Stralsund wurde eine Betreibergesellschaft gegründet. Die Gläubiger können indes kaum auf Geld aus der Insolvenzkasse hoffen.

Freude in Wolgast, Hoffnung in Stralsund: Die Bremer Lürssen-Werft übernimmt die Wolgaster Peene-Werft zum 1. Mai 2013 mit 360 Mitarbeitern und 65 Auszubildenden. Der Gläubigerausschuss der insolventen P+S-Werften genehmigte am Montag den Verkauf der Werft. In Stralsund sollen ab Januar über eine Betreibergesellschaft die beiden RoRo-Schiffe für die dänische Reederei DFDS fertiggestellt werden. Die Schlussverhandlungen für den Neuabschluss des Vertrages liefen, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann nach der Sitzung.

Für die auf den Marine-Schiffbau spezialisierte Peene-Werft wird Lürssen einen Kaufpreis von unter 20 Millionen Euro zahlen, wie Brinkmann sagte. Der Verkauf stehe unter dem Vorbehalt, dass Grundpfandgläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Diese Forderungen belaufen sich auf mehr als 100 Millionen Euro. Zudem müsse das Bundeskartellamt dem Verkauf an Lürssen noch zustimmen.

Mit dem Verkauf des Wolgaster Schiffbaubetriebes mit einst 540 Mitarbeitern werden gut zweieinhalb Jahre nach der Verschmelzung die vorpommerschen P+S-Werften aufgespalten. Die Werften in Stralsund und Wolgast hatten Ende August 2012 Insolvenz angemeldet, nachdem Land und Bund eine Rettungsbeihilfe gestoppt hatten. Rund 1100 der einst 1750 Mitarbeiter wechselten am 1. November in eine Transfergesellschaft.

„Das ist ein positiver Tag für uns“, sagte der Wolgaster Betriebsrat Carsten Frick. „Eine Unsicherheit bleibt. Denn noch ist unklar, welche Mitarbeiter von Lürssen übernommen werden und wer nicht.“ Die Lürssen-Gruppe hatte zugesagt, rund 285 Mitarbeiter in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen übernehmen zu wollen. 75 Mitarbeiter sollen zunächst einen auf 24 Monate befristeten Vertrag erhalten.

Der Verkauf der Stralsunder Schwesterwerft gestaltet sich weitaus schwieriger. Für den Schiffbaubetrieb wurde eine Betreibergesellschaft gegründet, in der möglichst ab 2. Januar rund 300 Schiffbauer in Zeitverträgen weiter an den unfertigen RoRo-Schiffen für die dänische Reederei DFDS arbeiten werden. „Um eine Werft verkaufen zu können, muss sie arbeiten“, sagte Brinkmann. Bislang gebe es zwar mehrere strategische Interessenten aus der Schiffbauindustrie für die Volkswerft, belastbare Kaufangebote würden bis Ende Januar erwartet. Der Stralsunder Betriebsrat Jürgen Kräplin übte sich in Zweckoptimismus. „Die Situation ist nicht mehr so schwarz wie im August, als Insolvenz angemeldet werden musste.“

Die IG Metall Küste forderte den Insolvenzverwalter auf, sich jetzt auf die Suche nach einem neuen Investor für den Standort Stralsund zu konzentrieren. „Die Schiffbauer sind das Know-how der Werft. Unser Ziel bleibt deshalb, möglichst viele Arbeitsplätze an den beiden Standorten zu erhalten“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Bei der Insolvenzverwaltung sind laut Brinkmann bislang 2000 Gläubigerforderungen eingegangen. Die angemeldeten Forderungen belaufen sich auf rund eine halbe Milliarde Euro. „Die Quote, mit der die Gläubiger bedient werden können, wird niedrig sein“, sagte Brinkmann. Sie wird voraussichtlich im einstelligen Bereich liegen. Am 17. Januar sind alle Gläubiger zur Gläubigerversammlung nach Stralsund geladen.

Die Landtagsfraktion der Linken forderte, auch nach dem Verkauf an die Lürssen-Gruppe die Eigenständigkeit des Werftenstandortes Wolgasts sicher zu stellen. Um den Werftstandort langfristig zu sichern, dürfe Wolgast nicht zur verlängerten Werkbank von Lürssen werden, sagte Fraktionschef Helmut Holter. Forschung, Entwicklung sowie ein eigenes Management müsse es auch künftig für Wolgast geben.

dpa

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