Transport zum AKW Grohnde

Brennelemente rollen durch Niedersachsen

Hannover - Zwei Atomtransporte mit Brennelementen für das Kraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont sollen noch in diesem Jahr quer durch Niedersachsen rollen. e.on bestätigte entsprechende Informationen von Atomkraftgegnern.

Offen bleibt allerdings, wann genau und über welche Strecke die Transporte vom Hafen in Nordenham (Kreis Wesermarsch) nach Grohnde abgewickelt werden sollen. „Über Termin und Route dürfen wir nichts sagen – das ist zur Verschlusssache erklärt worden“, sagte e.on-Sprecherin Petra Uhlmann. Die Atomkraftgegner rechnen damit, dass acht der 16 Brennelemente in der zweiten Septemberhälfte per Schiff aus England nach Nordenham kommen. Im November dürfte der Rest folgen. e.on-Sprecherin Uhlmann bestätigt das indirekt: „Das Transportunternehmen hat vom Bundesamt für Strahlenschutz zwei Genehmigungen erhalten und will diese noch in diesem Jahr nutzen.“

„Das wäre der erste Mox-Transport aus Sellafield seit 1996“, sagte Tobias Darge von der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“ am Mittwoch in Hannover. Die Mox genannten Mischoxid-Brennelemente stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage im englischen Sellafield und müssen nach Angaben der e.on-Sprecherin zurück nach Deutschland gebracht werden. „Völkerrechtliche Verträge verpflichten uns dazu.“ Die Brennelemente sollen im AKW Grohnde erneut eingesetzt werden.

Wie genau der plutoniumhaltige Brennstoff quer durch das Land gebracht wird, bleibt ein Geheimnis. Nach Angaben von Ralf Strobach, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz in Hannover, dürften die Brennelemente in speziell gepanzerten Transportern über die Autobahn an Bremen, Hannover und Hameln vorbei zum Kraftwerk an der Weser in Grohnde gebracht werden. Das sei allerdings nur eine Vermutung. Möglich wäre laut Strobach auch eine westliche Route über Oldenburg und Osnabrück. „Die erste Variante ist aber wahrscheinlicher, weil kürzer.“

In der Wesermarsch rechnet man eher mit einem Transport über die Schiene: „Angeblich soll das über die Bahn abgewickelt werden“, hat der Landrat des Kreises vernommen – und ist zugleich verschnupft, dass er im Grunde nichts weiß und überhaupt nur auf freiwilliger Basis von e.on über das Anlanden der Fracht in seinem Landkreis informiert wurde. „Ich finde es bemerkenswert, dass wir keine behördlichen Informationen bekommen“, sagte Michael Höbrink. Er sei als Landrat immerhin für die Gefahrenabwehr in der Wesermarsch zuständig. „Ich soll hier also bei möglichen Katastrophen verantwortlich sein und bekomme keine Informationen.“ Höbrink lässt derzeit prüfen, welche rechtliche Handhabe der Kreis hat: „Sind wir in der Lage, das noch zu verhindern, oder müssen wir das hinnehmen?“

Die Atomkraftgegner wollen die beiden Transporte nicht tolerieren. Sie halten die Brennelemente für gefährlich und kündigen für kommenden Sonntag landesweite Proteste an. Mit Fahrrädern wollen sie zum Anleger in Nordenham fahren. Ein „Aktions-Bulli“ soll entlang der Autobahnen von Nordenham über Bremen und Hannover nach Grohnde immer wieder Station machen. In Grohnde ist am Nachmittag am Atomkraftwerk eine Kundgebung geplant.

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