„Sexy Snow-Party“

Briten amüsieren sich über Nacktrodeln

Britannia rules the snow? Ob die Briten sich von solcher Werbung in den Harz locken lassen, ist noch offen.

Braunlage - Es gibt Dinge, deren Sinn sich nicht jedem erschließt. Nacktrodeln gehört sicherlich dazu. Und doch schafft es der doch brave Harzort Braunlage in diesen Tagen, mit ebenjener Veranstaltung die Fantasie der Briten anzuregen.

Mit dem britisch-humorigen Slogan „Dein Land braucht dich wie nie zuvor“ wirbt der Veranstalter der „sexy Snow-Party“ (Veranstalter) um Rodler aus dem Königreich, die gewillt sind, sich am ­ 15. Februar vor Tausenden Deutschen auf der Rodelpiste auszuziehen und den Berg herunterzurutschen.

Zwei Bewerber sollen Flug und Unterbringung kostenlos erhalten - wenn sie sich der Menge stellen. Medien von der Insel haben die skurrile Einladung dankbar aufgegriffen - und halten sie erstaunlicherweise für typisch Deutsch.

So schreibt der „Telegraph“ aus London, es sei keine Überraschung, dass die „Weltmeisterschaft im Nacktrodeln“ in Deutschland stattfinde. Die Deutschen seien „berühmt für ihre Liebe zu allen Aktivitäten, die mit Freikörperkultur zu tun haben“. In den Kommentaren zu dem Artikel hingegen gibt es auch kritische Stimmen. Manche Leser bemängeln, die Rodler seien gar nicht vollständig nackt, sondern dürften einen Helm und eine Badehose tragen. „Boooooooring“ - ­laaangweilig, lautet ein Kommentar. Wer allerdings bei all dem Klamauk gehofft hat, dass eine deutsch-britische Begegnung ohne Kriegsanspielungen auskommt, wird ebenfalls in den Leserkommentaren eines Besseren belehrt: „Lehrt die Erfahrung nicht, dass es keine spaßigen Zeiten sind, wenn die Deutschen Outdoor-Fitness, Jugendlichkeit und Stärke zelebrieren?“, fragt ein kritischer Zeitgeist.

Der „Daily Star“ macht sich den patriotischen Werbespruch der Veranstalter zu eigen und fordert von seinen Lesern in britischer Ernsthaftigkeit, dem Aufruf aus Deutschland zu folgen und „nackt den Dienst an der geliebten Nation zu leisten“.

In Braunlage gehört das Nacktrodeln seit Jahren zum Veranstaltungskalender. 2009 veranstaltete der krawallige Radiosender 89,0 RTL das erste Mal die ungewöhnliche „Weltmeisterschaft“ in dem Harzort. Damals kamen 12.000 Zuschauer, 300 wollten oben ohne mitrodeln - und es wurden jedes Jahr mehr. 2012 schließlich waren es 25 000 Menschen, die das Spektakel sehen wollten - immerhin fünfmal mehr als Braunlage Einwohner hat. Für den Harzort war das zu viel, die Veranstaltung wurde 2013 wegen des befürchteten Ansturms ausgesetzt.

Nun also soll es einen Neustart geben - mit britischen Gästen. Ob die Harzer sich allerdings im Februar nun wirklich auf die „britische Invasion“ gefasst machen müssen, die der Veranstalter ankündigt, muss sich erst noch zeigen. Denn aktuell fehlen den Rodlern nicht nur die Klamotten - sondern auch der Schnee.

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