Abzug beschleunigt

Britische Streitkräfte ziehen schneller aus Niedersachsen ab

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Foto: Soldaten des britischen Royal Anglian Regiments in der historischen Altstadt Celle.

Hamburg - Die Briten ziehen ihre Truppen eher aus Niedersachsen ab als bisher geplant. In den besonders betroffenen Städten Bergen und Bad Fallingbostel reagiert man entsetzt.

Verzweiflung, eine Menge Ratlosigkeit und große Zukunftsangst – der harte Sparkurs, den der britische Verteidigungsminister Philip Hammond gestern seiner Armee verordnete, hat in den Standorten Bergen (Kreis Celle) und Bad Fallingbostel (Heidekreis) ein eindeutiges Echo ausgelöst. „Uns geht ein Drittel der Einwohnerzahl verloren und damit auch ein Drittel der Wirtschaftskraft“, sagte Bergens Bürgtermeister Rainer Prokop (CDU) der HAZ.

348 zivile Mitarbeiter der britischen Streitkräfte verlören allein in Bergen ihren Arbeitsplatz. „Wir kümmern uns darum“, sagt Prokop, räumt aber auch ein, dass er noch keine Lösung hat, wie die Krise überwunden werden könnte. Die vom Abzug betroffenen Landkreise sowie die Städte Bergen und Bad Fallingbostel haben bereits vor einem Jahr ein Gutachten in Auftrag gegeben, das weitgehend vom Land bezahlt wird und eine Zukunftsperspektive für die Region aufzeigen soll. „Ende des Jahres wird es vorliegen“, sagt Prokop, „dann wissen wir, wohin wir marschieren könnten.“ Was aus den Kasernen wird, die die Briten seit 1945 in Bad Fallingbostel und Bergen-Hohne nutzen, steht in den Sternen.

Wegen der Nähe zur Autobahn 7 könnte das Kasernengelände am Westrand des Truppenübungsplatzes Bergen in ein Geerbegebiet umgewandelt werden. Für Bergen-Hohne bietet sich dagegen eher eine militärische Folgenutzung an. Die Unterkunftsgebäude der Briten und auch die Werkstätten und sozialen Einrichtungen sind seit 2006 mit einem dreistelligen Millionenbetrag aufwendig saniert worden. Zudem wurde für die Kinder der britischen Soldatenfamilien für 17 Millionen eine Schule gebaut, die dem neuesten Stand entspricht. Allerdings hat sie den großen Nachteil, dass sie zig Kilometer von der nächsten deutschen Siedlung entfernt ist.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte, selber in Bergen zuhause, hat als Verteidigungsexperte in Berlin in jüngster Zeit viele Gespräche geführt, um der Bundeswehr die Kaserne in Bergen-Hohne zu empfehlen. Otte ist optimistisch, dass sich die deutsche Armee die Chancen, die Bergen-Hohne biete, nicht entgehen lässt. Die britischen Streitkräfte lassen derweil offen, ob sie auch künftig auf deutschen Schießplätzen üben wollen. „Wir überlegen, ein Angebot der deutschen Regierung anzunehmen, einen Truppenübungsplatz weiter zu nutzen, zum Beispiel gemeinsam mit der Bundeswehr“, sagte Hammond. Dies könnte aber auch in Sennelager geschehen, wo die britische Armee erst nach 2017 ihre Kasernen dicht machen will.

In Nordrhein-Westfalen sind derzeit rund 10,000 britische Soldaten stationiert, während ihre Zahl in Niedersachsen bereits auf gut 6000 reduziert wurde. Das Hauptquartier der britischen Panzerdivision in Herford soll voraussichtlich bis Ende 2015 nach Großbritannien umziehen, während der Sitz der britischen Streitkräfte in Deutschland einstweilen in Bielefeld verbleiben soll. Verteidigungsminister Hammond sagte gestern in London: „Die Rückkehr aus Deutschland markiert das Ende einer historischen Ära, die über 60 Jahre angedauert hat. Wir sind der deutschen Regierung und den deutschen Bürgern großen Dank für die Unterstützung schuldig, die sie unseren Streitkräften gegenüber gezeigt haben.“ Konkret bedeute dies auch, dass der Personalabbau sozialverträglich vollzogen werde.

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