In den Kosovo abgeschoben

Bürger kämpfen für Rückkehr der Familie

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Foto: Der 29-jährige Gani Fazlijaj und seine Familie sind nach 23 Jahren in Deutschland in den Kosovo abgeschoben worden.

Fredenbeck - Der 29-jährige Gani Fazlijaj und seine Familie sind nach 23 Jahren in Deutschland in den Kosovo abgeschoben worden – trotz eines kranken Kindes. Nun kämpfen Bürger für ihre Rückkehr nach Deutschland.

Er hat 23 Jahre hier gelebt, spricht akzentfrei Deutsch und hat hier eine Familie gegründet. All das hat den 29-jährigen Gani Fazlijaj und seine Frau jedoch nicht davor bewahrt, mitten in der Nacht in den Kosovo abgeschoben zu werden - zusammen mit der kleinen Tochter und einem kranken dreijährigen Sohn. Jetzt setzt sich eine breite Koalition für eine Rückkehr der Familie ein - aus Gründen der Menschlichkeit.

Der Fall schlägt im Landkreis Stade hohe Wellen: Der Kreistag fordert, die Abschiebung rückgängig zu machen, ein Unterstützerkreis in Fazlijajs Heimatgemeinde Fredenbeck hat mehr als 700 Unterschriften für die Rückkehr gesammelt. „Es ist unerträglich, dass so eine Familie bei Nacht und Nebel abgeschoben wird“, erklärt Wolfgang Weh, ein früherer Lehrer Gani Fazlijajs.

Die Sorge der Unterstützer gilt vor allem dem Gesundheitszustand des dreijährigen Iljas. Der Junge ist in seiner Entwicklung verzögert. Nach Darstellung der Familie spricht und bewegt er sich kaum und ist äußerst verschlossen. Seit der Abschiebung in der Nacht vom 20. auf den 21. August habe sich sein Zustand sehr verschlechtert. Ein psychiatrisches Attest aus dem Kosovo schlägt eine Behandlung in Deutschland vor. „Der Junge versteht kein Albanisch“, erklärt sein Onkel Remzy Fazlijajs. „Die Kinderpsychologen können ihm deshalb nicht helfen.“

Gani Fazlijaj und seine Eltern, Angehörige der Roma, kamen 1989 nach Deutschland, seine Frau 1992 als Vierjährige. Ihre Asylanträge wurden abgelehnt, wegen der Unruhen im früheren Jugoslawien wurden sie jedoch geduldet. Nach dem Hauptschulabschluss hatte er einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechaniker, verlor ihn aber wegen der strengen ausländerrechtlichen Regelungen. In der Folge hatte er immer wieder Arbeit, blieb mit seiner Familie aber auf Sozialleistungen angewiesen. Fazlijajs Brüder arbeiten als Gas-Wasser-Installateur beziehungsweise in einem Autohaus in Fredenbeck. Der Großteil seiner Verwandten ist eingebürgert.

Dass die Familie auf ergänzende Hilfe vom Staat angewiesen war, war laut Landkreis der Hauptgrund, ihr den Daueraufenthalt zu verwehren. Außerdem ist Gani Fazlijaj während eines Jobs bei der Post wegen Verletzung des Postgeheimnisses zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sowohl die Härtefallkommission als auch Gerichte haben die Ausweisung nicht gestoppt. Die Ausländerbehörde habe Fazlijaj mehrmals aufgefordert, freiwillig auszureisen. Danach habe der Landkreis keine andere Möglichkeit mehr als die Abschiebung gehabt, erklärt Landrat Michael Roesberg.

Ist die Rückkehr einer abgeschobenen Familie aus humanitären Gründen rechtlich möglich? Offenbar ja. Zu Beginn des Jahres durfte die vietnamesische Familie Nguyen erneut einreisen. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte die Rückkehr nach massiven öffentlichen Protesten befürwortet. Im Fall der Fazlijajs sieht sich das Ministerium jedoch als nicht zuständig. Die Familie müsse sich an die deutsche Botschaft wenden.

Die Abschiebung der Fazlijajs sei zwar legal, nicht aber legitim gewesen, argumentieren die Unterstützer der Familie. Zu ihnen zählt Wolfgang Gessenharter, emeritierter Politikprofessor der Bundeswehr-Universität Hamburg. Es könne nicht der Würde eines Jungen entsprechen, schreibt er, „wenn man ihn in eine Welt abschiebt, in der ihm alles völlig fremd und nach vielfältigen Aussagen, zum Beispiel von Unicef, keine Hilfe vorhanden ist, seine Krankheit zu behandeln“.

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