Prozess um Buback-Mord

Bundesanwaltschaft gibt Becker Mitschuld

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Foto: Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Stuttgart.

Stuttgart - Beihilfe oder Mittäterschaft? Das hält sich die Bundesanwaltschaft im Plädoyer gegen Verena Becker zunächst offen. Sie habe sich jedenfalls mächtig für den Mord an Generalbundesanwalt Buback eingesetzt.

Die Bundesanwaltschaft hält die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker für mitschuldig am Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977. „Sie ist schuldig - das steht für uns fest“, sagte Oberstaatsanwältin Silke Ritzert am Dienstag in ihrem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. „Wir nehmen der Angeklagten ihre Behauptung ’Ich war nicht dabei’ nicht ab.“ Becker hatte in einer Erklärung vor Gericht jede Beteiligung an dem Mordanschlag bestritten.

Ritzert ließ zunächst offen, ob die angebliche Beteiligung Beckers aus Sicht der Anklage als Mittäterschaft oder Beihilfe zu werten sei. Die Bundesanwaltschaft gehe aber nicht davon aus, dass Becker selbst unmittelbar am Tatort war. „Es gibt keine belastbaren Hinweise, die auch nur ansatzweise auf eine unmittelbare Täterschaft als Schützin hindeuten könnten“, sagte Bundesanwalt Walter Hemberger.

Die Ankläger halten es mittlerweile sogar für plausibel, dass Becker - wie von ihr selbst angegeben - zur Zeit des Anschlags im Nahen Osten unterwegs war. Buback und seine beiden Begleiter waren am 7. April 1977 von RAF-Mitgliedern von einem Motorrad aus erschossen worden.

Den Vorwurf der Beteiligung begründete Ritzert mit der wichtigen Rolle, die Becker innerhalb der RAF gespielt habe. Bei einem Treffen von RAF-Mitgliedern in den Niederlanden habe sie durch „vehementes Eintreten für den Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback dieses Attentat mit verursacht“, sagte die Oberstaatsanwältin. Becker habe „mit Zähigkeit und Vehemenz die Linie der Stammheimer vertreten“ - der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Mitglieder um Andreas Baader, die eine rasche Ausführung des Attentats forderten.

Ritzert berief sich dabei zu großen Teilen auf Angaben des RAF-Aussteigers Peter-Jürgen Boock. Er habe Becker „ein Durchhaltevermögen und eine Vehemenz“ bescheinigt, die anderen RAF-Mitgliedern gefehlt habe. Boock hatte sich allerdings vor Gericht zurückhaltender geäußert als noch in früheren Vernehmungen.

Hemberger kritisierte das Verhalten der ehemaligen RAF-Terroristen, die bei ihren Zeugenauftritten die Aussage verweigerten. Man könnte „wenigstens erwarten, dass sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen“, sagte Hemberger. Er bezweifele jedoch, dass die Ex-Terroristen zu einem Schuldeingeständnis in der Lage seien. Dies würde das Eingeständnis bedeuten, dass sie „ihr eigenes Leben weggeworfen haben“.

Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft soll voraussichtlich erst am Donnerstag abgeschlossen werden. Das Gericht will am 6. Juli ein Urteil verkünden.

dpa

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