40 Jahre Schwimmunterricht

Bundesverdienstkreuz für Frau aus Leer

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Hat etwa 1500 Kindern das Schwimmen beigebracht: Helga von Seggern.privat

Leer - Sie ist die Einzige aus ganz Niedersachsen, die am Donnerstag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird: Seit mehr als 40 Jahre egagiert sich Helga von Seggern aus Leer bei der DLRG - und hat ungefähr 1500 Kindern das Schwimmen beigebracht.

Wie viele Kinder es sind, weiß Helga von Seggern nicht genau. Aber es dürften um die 1500 sein, denen sie seit den siebziger Jahren das Schwimmen beigebracht hat. Für ihr mehr als 40-jähriges Engagement in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekommt die 68-Jährige das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Frau aus dem ostfriesischen Leer wird heute als einzige Niedersächsin neben 33 weiteren Menschen aus dem ganzen Land von Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin ausgezeichnet.

Wenn sie die Gelegenheit bekommt möchte Helga von Seggern dem Präsidenten sagen, wie wichtig es ist, dass Kinder schon im Vorschulalter schwimmen lernen. Sie betont es immer wieder, es ist ihr eine Herzensangelegenheit - seit mehr als vier Jahrzehnten. „Wasser gehört zum Leben, deshalb ist es wichtig zu wissen, damit umzugehen.“ Immer noch gebe es zu viele Kinder, die sich nicht aus eigener Kraft über Wasser halten könnten.

Nach der neuesten Studie der DLRG können allein 40 Prozent der Achtjährigen nicht schwimmen. Die Zahl ist für Helga von Seggern ein Graus. Möglichst früh sollten die Kleinen ans Wasser gewöhnt werden. Nicht erst im Schulalter, wie es in den siebziger Jahren üblich war. „Als meine Kinder vier und fünf Jahre alt waren, gab es für sie keine Schwimmkurse.“

Damals schon Mitglied in der DLRG, nahm sie die Sache selbst in die Hand und bot die ersten Kurse im Leeraner Schwimmbad an. „Viele hielten das für Blödsinn“, erinnert sich die 68-Jährige. Die Kinder seien doch viel zu jung, zu verspielt - so die vorherrschende Meinung. Doch sie hatte das Interesse der Eltern geweckt. 27 Jahre leitete die gebürtige Rheiderländerin den Schwimmkindergarten. Manchmal habe es Wartelisten von einem Jahr gegeben.

Das Programm für die Schwimmstunden hat die heute 68-jährige selbst - teilweise unter Mithilfe der Eltern - erarbeitet und damit Standards gesetzt. Als Referentin für die DLRG zieht sie durchs Land, erklärt ihr Konzept und bildet andere aus. „Wasser ist der ideale Spielplatz“, sagt Helga von Seggern. Sie habe den Kindern deshalb auch spielerisch das Schwimmen beigebracht. Luftballon aufblasen unter Wasser (mit offenen Augen), Rückwärtsfallen ins Becken oder Schwimmen mit Kleidung statt Bahnen ziehen: Den Kindern hat’s gefallen, noch heute wird die DLRG-Frau von ihren Schwimmkindern in der Kleinstadt erkannt und geschätzt.

Nach dem Schwimmkindergarten hat sich von Seggern etwas Neues überlegt. Eltern hätten sie auf die Idee gebracht. „Früher haben die Menschen - ich auch - ohne Anleitung nebenbei schwimmen gelernt“, sagt die ehemalige Justizangestellte. Viele seien deshalb im Erwachsenenalter sehr unsicher im Wasser. So entstanden Elternkurse, das Konzept gab Helga von Seggern wieder an andere weiter. Heute geht die 68-Jährige, die sich auch noch aktiv im Deutschen Roten Kreuz engagiert, nicht mehr so häufig ins Wasser, Knieprobleme plagen sie. Doch die Sache mit dem Schwimmen lässt sie nicht los. Mittlerweile ist sie in der DLRG Referentin für die Gruppe 50+. Aber über die Kleinsten redet sie immer noch am liebsten, vielleicht heute mit Joachim Gauck.

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