Reisende stoppen Bus in letzter Minute

Busfahrer bricht bei voller Fahrt zusammen

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Foto: In dem Bus befanden sich 42 Insassen aus dem Bereich Fulda, die an einer CDU-Seniorenfahrt an die Ostsee teilnehmen.

Hildesheim - 42 Insassen eines Reisebusses sind auf der A7 bei Hildesheim nur knapp einem schweren Unfall entkommen. Bei voller Fahrt war der Fahrer ohnmächtig zusammengebrochen, zwei der Insassen übernahmen geistesgegenwärtig das Steuer und stoppten den Bus.

Ein Drama mit glimpflichem Ausgang hat eine Reisegruppe aus Nordhessen am Montagvormittag auf der Autobahn 7 durchlebt. Ihr Busfahrer war während der Fahrt am Steuer zusammengebrochen, drei beherzte Senioren hielten das Gefährt auf der Fahrbahn und brachten es schließlich nur leicht beschädigt zum Stehen. Auch wenn alle Reisenden unverletzt blieben, fand das Geschehen ein bitteres Ende. Der Busfahrer starb im Krankenhaus. Die Senioren hatten nach Einschätzung der Einsatzkräfte „unendlich viel Glück“.

Gegen 9.50 Uhr war der Reisebus auf der Autobahn 7 kurz vor Rhüden im Kreis Goslar in Richtung Norden unterwegs. An Bord: 42 Teilnehmer einer CDU-Seniorenfahrt aus Fulda. Für drei Tage sollte es an die Ostsee gehen. Kurz vor Beginn einer Baustelle – in dem Bereich wird die A 7 derzeit von zwei auf drei Spuren ausgebaut – fiel einigen Fahrgästen auf, dass der Busfahrer seltsam gebeugt an seinem Lenkrad saß. „Die dachten zuerst, der sucht was auf dem Fußboden“, berichtete DRK-Betreuer Wilfried Wende später nach Gesprächen mit den Reisenden. „Doch drei von ihnen schöpften Verdacht, dass es wohl ein größeres Problem gebe, und gingen zum Nachschauen nach vorn.“

Dort sahen sie, dass der Fahrer über dem Steuer zusammengesunken und nicht mehr bei Bewusstsein war – und reagierten beherzt. Einer griff ins Lenkrad, versuchte, das Gefährt auf der engen Fahrbahn einigermaßen auf Kurs zu halten. Ein anderer schaffte es, den Bus immer weiter abzubremsen. Die Senioren konnten zwar nicht verhindern, dass das Fahrzeug ins Schlingern geriet, gegen die mittlere Leitplanke und die Baustellenabsperrung stieß – aber Schlimmeres konnten sie verhindern.

Dass „etwas oberfaul ist“, wie er sich später ausdrückte, fiel auch Markus Jünemann auf. Der 40-Jährige aus Keula in Thüringen fuhr mit seinem Auto hinter dem Bus, als dieser in die Baustelle hineinrollte. „Mein Schwiegervater ist auch Busfahrer – mir war klar, dass es da irgendein Problem gibt, möglicherweise mit einem der Fahrgäste.“ Er entschloss sich, nach dem Rechten zu sehen, sollte der Bus anhalten – und setzte einen Notruf ab.

Knapp zehn Minuten später trafen die Rettungskräfte ein. „Zu viert oder zu fünft haben wir den Fahrer aus dem Bus herausgeholt“, berichtet Markus Jünemann. Ein Krankenwagen brachte den 35-Jährigen ins Seesener Asklepios-Klinikum, doch die Ärzte konnten ihm nicht mehr helfen. Der Mann starb wenig später im Krankenhaus.

Ein anderer Fahrer steuerte unterdessen den Bus auf die nahe Raststätte Harz-Ost, wo die Reisenden Essen und Getränke bekamen. Erst jetzt dämmerte einigen, dass sie riesiges Glück hatten. Die Autobahn 7 war am Vormittag gut eine Stunde lang voll gesperrt, der Verkehr staute sich auf acht Kilometern Länge. Der finanzielle Schaden beträgt laut Polizei rund 5000 Euro.

Tarek Abu Ajamieh

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