Britische Streitkräfte ziehen ab

Bye-bye, Bergen

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Foto: Bald ein Bild der Vergangenheit: Soldaten der 7. britischen Panzerbrigade in Bergen.

Bergen - Mit einer Abschiedsparade in Bergen haben die britischen Streitkräfte nach mehr als 70 Jahren ihren endgültigen Abzug aus Niedersachsen eingeläutet - und die Region verliert damit 10.000 Einwohner. Nach einem Empfang im Rathaus formierten sich am Freitag rund 180 Soldaten in der Garnisonsstadt für den letzten Aufmarsch der Briten in Niedersachsen.

Am Sonnabend gibt es in Bergen ein deutsch-britisches Familienfest sowie eine Besichtigung der sonst für Besucher unzugänglichen Kaserne.

In den kommenden Monaten räumen die Briten ihre beiden letzten großen Stützpunkte in der Lüneburger Heide in Bad Fallingbostel und Bergen. Die strukturschwache Region steht vor einer großen Herausforderung, um eine neue Verwendung für die leer stehenden Kasernengebäude und Wohnungen zu finden. Während alle Studien zur Nachnutzung der Militärflächen bislang auf eine möglichst schnelle Ansiedlung von Gewerbe abzielten, will der Bund die Gelände nun zunächst für zwei Jahre in seiner Verwaltung behalten.

Bergens Bürgermeister Rainer Prokop (CDU) sieht das Engagement des Bundes positiv, nachdem das Verteidigungsministerium die Verlegung eines Panzerbataillons in die britische Kaserne angekündigt hat. Kritisch reagierte indes die Bürgermeisterin von Bad Fallingbostel, Karin Thorey (parteilos). Die Umwandlung eines Militärareals nahe der A 7 in eine Gewerbefläche werde verzögert.

Beide Städte eint der große Kaufkraftverlust durch den Abzug der Briten sowie die frei werdenden Wohnungen. Teils bleibt nur der Abriss von heruntergekommenen Gebäuden und eine Renaturierung der Brachflächen. Nicht leichter ist der Umgang mit noch jüngeren Wohnungen für Soldatenfamilien, die nach ihrer Errichtung über Banken und Investmentfonds Eigentümer quer durch Deutschland gefunden hatten.

Der Umgang mit den Gebäuden ist das eine, der Kaufkraftverlust, den eine Studie für die Region auf jährlich 65 Millionen Euro beziffert, das andere. Um rund 10.000 Einwohner wird die vom demografischen Wandel ohnehin betroffene Region ärmer. Deshalb lassen Bergen und Bad Fallingbostel nichts unversucht, um zumindest einen kleinen Teil der Briten zum Bleiben zu bewegen - in einem neuen, zivilen Beruf.

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