Braunschweig

Chef von „New Yorker“ betreibt jetzt Schwimmbad

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Foto: Die Verwaltung wollte es lieber schließen: das Badezentrum Gliesmarode.

Braunschweig - Er wollte ein Hallenbad vor der Schließung bewahren, doch die Stadt Braunschweig war sich nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Bis am Dienstag, als sich der Rat dem öffentlichen Druck beugte: Friedrich Georg Knapp, Chef der Bekleidungskette New Yorker, darf das Badezentrum Gliesmarode sanieren und weiterbetreiben.

Ursprünglich wollte die Verwaltung das Grundstück als Baugebiet ausweisen.

Der Braunschweiger Multimillionär Knapp hatte bereits im Februar Interesse bekundet – und lag damit auf einer Linie mit vielen Bürgern, die sich seit Jahren für das Bad einsetzen. Sie fürchteten, dass ihre Kinder auf Schwimmunterricht verzichten müssen, ältere oder kranke Menschen nicht mehr ins Schwimmbad gehen können. Eine Liste mit mehr als 30 000 Unterschriften brachte jedoch keinen Erfolg.

Die Stadt hatte andere Pläne. Das Drei-Bäder-Konzept sah vor, das Gliesmaroder Bad und zwei weitere Hallenbäder – allesamt sanierungsbedürftig – durch ein neues Freizeit- und Erlebnisbad zu ersetzen: Im Juli wurde es unter dem Namen „Wasserwelt“ eröffnet. Das Gliesmaroder Bad existiert nur dank Knapp weiter.

Dabei war zwischenzeitlich die Kommunikation zwischen der Stadt und dem Unternehmer ins Stocken geraten. Die Verwaltung gab keine Infos über das Bad raus, weil Knapp offenbar nicht genug über sein Vorhaben preisgab. Nun hat der Unternehmer doch noch ein Erbbaurecht für zehn Jahre bekommen. Dabei hätte das Ansinnen eigentlich direkt abgelehnt werden müssen, sagt Finanz- und Sportdezernent Christian Geiger – wegen des Drei-Bäder-Konzepts und weil es um attraktiven Baugrund gegangen sei. Das Angebot Knapps, das Gebäude für einen symbolischen Preis von einem Euro zu veräußern, hat die Stadt indes nicht angenommen.

Für den Braunschweiger Knapp ist es gemessen am Gesamtvermögen wohl ein verschmerzbares Investment: Der Unternehmer steht auf Platz 178 der Liste der reichsten Deutschen, soll über 600 Millionen Euro verfügen – und gilt als großzügig. Für die Flutopfer in Pakistan und die Erdbebenopfer in Haiti spendete er insgesamt 2 Millionen Euro, an einem Braunschweiger Schulkostenfonds beteiligte er sich mit 400.000 Euro. Die „New Yorker Stiftung. Friedrich Knapp“ fördert zudem die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Zu den Zielen, die er mit dem Schwimmbad verfolgt, wollte Knapp zunächst keine Angeben machen. Erst heute will er sich äußern.

Sicher ist: Die auf 9 Millionen Euro geschätzte Sanierung liegt auf den Schultern des Braunschweigers, genau wie der Weiterbetrieb des Bades. Knapp behält sich aber vor, über die „endgültige Gestaltung des Leistungsangebotes“ zu bestimmen, wie es in einer Vorlage der Stadt heißt. Perspektivisch soll dazu eine neue Sauna gehören.

Die Wiedereröffnung ist für das zweite Quartal 2015 geplant. Für die Besucher sollen dann „marktübliche Tarife“ gelten. Zur engeren Zielgruppe gehören Kinder, Behinderte und Senioren.

Hagen Eichler

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