Besuch aller Starbucks-Filialen

Coffee to run

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Das muss wahre Kaffeehausliebe sein: Ein 23-Jähriger will alle Starbucks-Filialen auf dieser Welt besuchen.

Montabaur - 2100Starbucks-Filialen hat der 23-jährigeSebastian Birr schon von Innen gesehen, doch das genügt ihm nicht: Der junge Mann aus Montabaur bei Koblenz hat sich vorgenommen, alle Filialen des Kaffeeanbieters auf dieser Welt zu besuchen, aktuell sind dies etwa 21.000 Kaffeehäuser in 65 Ländern.

Ein großes Ziel zu erreichen kann enorm glücklich machen. Doch manche Herausforderung ist einfach schwer zu meistern. Offenbar hat das Sebastian Birr nicht abgeschreckt, sich einem Wettlauf zu widmen, den er kaum gewinnen kann. Der 23-Jährige aus Montabaur bei Koblenz hat sich vorgenommen, alle Starbucks-Filialen auf dieser Welt zu besuchen. Das US-Unternehmen hat jetzt bereits etwa 21.000 Kaffeehäuser in 65 Ländern eröffnet. Vor 14 Jahren waren es noch 3500, Tendenz weiter steigend. Trotzdem ist der junge Mann seit 2006 auf dem Weg in die Cafés dieser Welt. Er hat bereits 2100 der Kaffeeläden von Innen gesehen.

Hauptberuflich lässt sich Birr zurzeit zum Lokführer bei der Deutschen Bahn ausbilden. Schon dabei reist er recht viel, immer mit Blick auf die pünktliche Ankunftszeit. Doch im Urlaub gerät der junge Mann erst so richtig unter Zeitdruck. So wie auf einer seiner jüngsten Reisen nach Istanbul. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Türkei eröffnen in der Metropole die Starbucks-Filialen an jeder Ecke. „Es werden überall mehr und mehr. Also hat man den Druck. Los. Abhaken“, erklärt Birr seine Motivation und gibt zu, dass die Verfolgung seines großen Ziels mittlerweile etwas Zwanghaftes hat. Weder Krankheit noch Müdigkeit halten ihn davon ab. Am letzten Tag seiner Istanbul-Reise hatte er 30 Filialen auf seiner Liste. Punkt 6 Uhr stand er in der ersten Filiale. „Ich muss drin gewesen sein, damit er als besucht gilt“, sagt er am Telefon. Dann das übliche Prozedere: Café ansehen, Foto von außen knipsen. Aber nur drei bis vier Minuten Zeit. Dann weiter zum nächsten, teilweise ein paar Kilometer entfernten Ziel, immer weiter, auch wenn die Beine weh tun, auch bei 40 Grad unter brennender Sonne.

In Istanbul hätte er deswegen fast den Flieger zurück nach Deutschland verpasst. „Ich musste dem Taxifahrer erklären, dass es sehr eilig ist“, beschreibt Birr die Situation. Beide konnten kaum Englisch, doch der Fahrer habe ihn irgendwie verstanden und raste los, quer über den Seitenstreifen der Autobahn, an anderen, stehenden Wagen vorbei. Bis die Polizei einschritt und eine Verwarnung erteilte.

Birr ist klar, dass er nicht schneller reisen kann, als dieses globale Geschäft expandiert. Seine Freunde beobachten sein Ziel skeptisch. Seine Mutter fragt, wie naiv er denn sei. „Aber wie sonst sollte man solche Geschichten erleben. Es lohnt sich psychisch, es fühlt sich gut an“, antwortet er. Auch wenn es nicht so klingt: Sein Hobby ist für ihn mehr als das pure Abhaken von besuchten Starbucks-Filialen. Es erinnere mehr einem Fußballspiel im Freizeitmodus, bei dem er sich mehr die einzigartig geschossenen Tore anschaut, als einem Sieg entgegenfiebert.

Birr ist nicht der einzige Starbucks-Filial-Jäger

Kurzum: Für den Starbucks-Filial-Jäger ist die Reise an sich das Ziel und er nimmt die Herausforderung auch sportlich. Zudem habe das ungewöhnliche Hobby schöne Nebeneffekte: Zahlreiche Menschen hat er trotz mancher Sprachbarriere bereits kennengelernt. Mehr als 20 Länder hat der 23-Jährige besucht, zunächst die Nachbarländer Deutschlands, dann Griechenland, England, Russland, Bulgarien, Marokko und die USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat die ungewöhnliche Reise auch begonnen, vor acht Jahren als er in San Francisco war. „Ich trinke gern Kaffee. Mir gefällt die Atmosphäre bei Starbucks. Es gibt architektonisch diverse Konzepte der Stores, da Wert auf lokale Besonderheiten gelegt wird.“ Also schaute er sich in der kalifornischen Stadt rund 100 Cafés in zwei Wochen an.

Auch wenn er nicht alles, was dieses Unternehmen tut, gutheißt – über die Jahre ist seine Jagd nach den Cafés intensiver geworden. Jeder Urlaubstag ist mittlerweile intensiv vorgeplant, aktuell bis Mitte 2016. Leisten könne er sich das ohne Probleme, da er noch bei seinen Eltern wohnt und so kaum etwas von seinem Lokführer-Lehrlingsgehalt ausgeben muss.

Er weiß, dass er eher der Typ Einzelgänger ist. „Ich habe wenige Freunde, aber dafür gute und enge“, sagt er. Auf manche Entdeckungstour haben ihn Freunde auch begleitet. Dennoch ist Birr nicht einzigartig. Der Texaner Rafael Winter verfolgt dasselbe Ziel und er hat fast 12.000 Stores besucht. Er nennt sein Vorhaben „Starbucking“. Zweimal haben sie sich bereits getroffen. Es habe sich eine Freundschaft zwischen dem Deutschen und dem US-Amerikaner entwickelt. „Wir schreiben täglich, tauschen uns aus.“ Beide haben eine Homepage, auf der sie ihre Bilder und Beschreibungen hochladen. Doch im Gegensatz zu Birr, trinkt Winter in jeder Filiale einen Kaffee. Erst dann gilt dieser Starbucks-Laden für den 42-Jährigen als besucht.

Obwohl es naheliegen könnte, erklären beide, dass sie keine finanzielle Unterstützung von Starbucks erhalten. „Manchmal wünsche ich mir das“, sagt Birr. Doch sicherlich würde das auch einiges ändern. Es würde ein ungewöhnliches Hobby zu einer fast klassischen Arbeit als Werbeprofi machen. Vielleicht ist für ihn doch eher das Erlebnisse sammeln das Ziel, als wirklich alle Filialen zu sehen. Allerdings ist Birr auch noch recht jung.

Matthias Pöls

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