Amt für Denkmalpflege

Mit dem Computer auf Schatzsuche

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Foto: Im Niedersächsischen Amt für Denkmalpflege treffen alte Relikte auf neueste Technik.

Hannover - Das Niedersächsische Amt für Denkmalpflege arbeitet in einer der modernsten Restaurationswerkstätten. Daraus ergibt sich neben ihrem eigentlichen Auftrag noch eine zweite Aufgabe: für die Denkmalpflege zu werben.

Ein Denkmal ist mehr als ein Gesicht aus Stein. Ein Denkmal kann aus Eisen sein, wie das Ulfberht-Schwert, das vergangenes Jahr aus der Weser bei Hameln gezogen wurde. Oder aus Holz, wie ein verformter Trinkpokal aus einer mittelalterlichen Grabkammer. Und manchmal sieht ein Denkmal auf den ersten Blick auch nur aus wie ein Haufen matschige Erde. Erst bei genauem Hinsehen gibt er seine Geheimnisse preis - Hinweise darauf, wie die Menschen vor Hunderten von Jahren gelebt haben. Diese Geheimnisse legen die Restauratoren im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) in mühevoller Kleinarbeit frei.

Die archäologischen Restaurierungswerkstätten des NLD gehören zu den fortschrittlichsten Einrichtungen in Deutschland. Daraus ergibt sich neben ihrem eigentlichen Auftrag noch eine zweite Aufgabe: für die Denkmalpflege zu werben. Sowohl in der Öffentlichkeit, die für den Schutz von Kulturgütern sensibilisiert werden soll, wie auch bei den Fachkollegen, die den neusten Stand der Restaurationstechnik kennenlernen sollen. Die Komponente der Öffentlichkeitsarbeit reicht weit über das hinaus, was das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz von der Denkmalpflege verlangt.

Um das herauszustreichen, haben Kultur- und Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic und NLD-Präsident Stefan Winghart zum ersten Mal Zielvereinbarungen zwischen dem Land und dem Amt unterzeichnet. Damit erkennt das Land nun auch den Förderbedarf von Fortbildungen für ehrenamtliche Helfer, öffentlich erhältlichen Publikationen und Schulprojekten an. Rund 7,5 Millionen Euro Forschungsgeld stellt Niedersachsen dem Amt in diesem Jahr zur Verfügung. Doch wie sieht die technikgestützte Forschung eigentlich aus? Zwei Beispiele.

Archäologe Henning Haßmann sitzt vor dem Computerbildschirm, auf dem sich das dreidimensionale Modell eines Rüsselbechers dreht. Diesen Becher gibt es, er befindet sich allerdings in Form zahlreicher Einzelteile in einem Erdblock. Mit Hilfe von medizinischer Computer-Tomografie (CT) wurde der Erdblock analysiert und sein kostbares Inneres mithilfe eines Computerprogramms sichtbar gemacht. Ohne ihn zu öffnen, wusste Haßmann dadurch, was sich in der Erde befindet, aus welchem Material es besteht und wie es zuvor ausgesehen hat. „Diese Arbeit würde sonst Monate dauern, und das Zusammensetzen ist wegen der vielen Einzelteile sehr schwer“, sagt Haßmann. Doch die CT-Analyse hat noch weitere Vorteile. Ausgrabungen müssen nicht an der Fundstelle untersucht werden, sondern können mitsamt Erde eingegipst und konserviert werden, sodass der Forscher im Labor entscheiden kann, welchem Fundstück er sich nun zuerst widmet.

In einem Labor im ersten Stock arbeitet Gabriele Schulz am Ulfberht-Schwert, einer Waffe, die von seinem Hersteller mit einer großzügigen Namensgravierung versehen wurde. Sie stammt aus dem frühen Mittelalter. Röntgenaufnahmen hat Schulz von dem Artefakt bereits gemacht, doch auch damit ist nicht alles Wichtige sofort zu erkennen. Mit Besteck, das an eine Zahnarztpraxis erinnert, nimmt sie vorsichtig Proben von den einzelnen Bestandteilen des Schwerts. „Die können später in chemischen Prozessen auf ihre Beschaffenheit und organisches Material wie Haare untersucht werden“, sagt Schulz.

Obwohl die Technik den Restauratoren viel Arbeit abnimmt, brauchen sie allerdings nach wie vor zwei unersetzliche Eigenschaften: eine ruhige Hand und viel Geduld.

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