Olympia-Bewerbung

Cuxhaven will Segelregatten bei Olympia austragen

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„Die Wahrnehmung von Cuxhaven würde dadurch eine völlig andere“: Oberbürgermeister Ulrich Getsch (kl. Bild) würde gern Fernsehbilder seiner Stadt sehen, die mehr zeigen als Strandkörbe am Elbstrand von Cuxhaven-Duhnen. Olympia soll’s richten. Fotos: Berger, dpa

Cuxhaven - Die Stadt an der Nordsee möchte die Bootsregatten bei den Olympischen spielen 2024 austragen – und arbeitet hart an einem neuen Bild von sich.

Das wäre die Krönung. Eine „absolut tolle Sache“, um das Image der Stadt zu heben. Weltweit. Olympische Segelwettbewerbe in der Grimmershörn-Bucht. Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch sticht heute mit einer kühnen Mission in See. Eine Handvoll Abgesandte des Olympischen Komitees inspizieren Niedersachsens nördlichste Hafenstadt als möglichen Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe 2024.

Völlig überraschend, zumindest für Außenstehende, kam vor zwei Tagen die Nachricht, dass neben Lübeck/Travemünde und Rostock/Warnemünde nun auch noch Cuxhaven als möglicher Nebenspielort der Olympiade in Hamburg in Betracht kommen könnte. „Das habe ich über die Politik ins Spiel gebracht“, sagt Getsch. Während in Rostock am vergangenen Donnerstag sofort ein leibhaftiger Ministerpräsident zum Empfang des Besichtigungskomitees erschien und lebhaft für einen Austragungsort im Osten plädierte, ziehen die Cuxhavener weitgehend allein „ihre Sache“ durch. Etwas mehr Unterstützung aus Hannover hätte sich der Oberbürgermeister gewünscht.

Sei’s drum. Heute fährt Getsch mit den Herren vom Komitee und dem Rettungskreuzer „Hermann Helms“ in die Deutsche Bucht. Dort will er veranschaulichen, welch gute Bedingungen die Segler vor dem Großen Vogelsand erwarten würden. „Ein anspruchsvolles Revier mit stetem Wind“, meint der Mann von der Küste, den unter anderem auch die Segelleidenschaft vor 24 Jahren in den Norden verschlagen hat.

Für die etwa 400 Olympia-Segler und die doppelt so vielen Helfer würde man Hotelschiffe in den Cuxhavener Hafen verlegen, skizziert Getsch, der sich schon ausmalt, wie Fernsehbilder von Cuxhavener Regatten in alle Welt ausgestrahlt werden. „Die Wahrnehmung von Cuxhaven würde dadurch eine völlig andere.“ Getsch hat an der Elbmündung in einem Alter das Ruder übernommen, in dem andere schon an Ruhestand denken. 62 Jahre alt war der promovierte Diplomkaufmann, der sowohl in der Industrie wie auch als Schulleiter einer Berufsbildenden Schule gearbeitet hat, als ihn 2011 die Politik lockte - und rief. So kandidierte der Mann mit der oft schief sitzenden Krawatte, aber zupackenden, hemdsärmeligen Art als Unabhängiger für die Oberbürgermeisterwahl - und gewann. Nun arbeitet er kontinuierlich am Image der Stadt, die nicht nur durch Schuldenkrise und Querelen um die kommunale Siedlungsgesellschaft in die Schlagzeilen geraten soll.

Als „Stadt am Tor zur Welt“ hat Cuxhaven früher für sich geworben, als vom Steubenhöft die großen Ozeanriesen nach New York aufbrachen. Die Zeiten der Fischindustrie, als die Möwen mit lautem Gekreisch über die offenen Waggons am Hafen herfielen und der Gestank von Fischmehl schwer über den ärmeren Vierteln der Stadt lastete, sind auch längst vorbei. Der Frankfurter Flughafen ist heute Deutschlands größter Fischreihafen. In Cuxhaven erinnert derweil ein neues, sehenswertes Museum (Windstärke 10) an die großen Zeiten der Fischindustrie - ein Kleinod, wie der Oberbürgermeister findet.

Getsch fährt Besucher in seinem Phaeton („Das ist ein Privat- und kein Dienstwagen“) gern selbst herum, um zu zeigen, was sich alles in der schwer verschuldeten Stadt tut. „Wir haben jetzt wieder knapp 50 000 Einwohner, weil immer mehr Kurgäste hierhin ziehen.“ Tatsächlich ist in der Stadt an der Elbmündung in den letzten Jahren allerhand geschehen. Ausstellungen wie das Ringelnatz-Museum am Ritzebütteler Schloss oder das Fischereimuseum sind entstanden, am Sahlenburger Wattenrand wird gerade ein architektonisch anspruchsvoller Holzbau hochgezogen, das Wattenmeerbesucherzentrum. „Hier war früher die Kläranlage der Nordheimstiftung, deshalb konnten wir hier im Nationalpark bauen“, sagt der Oberbürgermeister über das Zentrum, das im Herbst eröffnet werden soll.

Für den Tourismus tut der Nordseekurort einiges, dessen Strandpromenade sich jetzt von der Kugelbake, dem Wahrzeichen der Stadt, bis nach Duhnen erstreckt - „barrierefrei“, wie der OB betont. Finanziert wurde die Millionen teure Erneuerung der Promenade auch durch Mittel des Europäischen Sozialfonds. „Wir waren jahrelang Ziel-1-Gebiet, das half“, sagt Wirtschaftsförderer Hans-Joachim Stietzel.

Doch neben dem Tourismus, der Cuxhaven jährlich mehr als drei Millionen bezahlte Übernachtungen beschert, ist der Ausbau der Cuxhavener Hafenwirtschaft das Lieblingsobjekt der Rathausmanager.

Neben den neuen Kaianlagen des Offshore-Terminals, der im Osten entstanden ist, hat die Stadt ein 5,5 Hektar großes Gelände erschlossen, das Getsch als „Juwel“ bezeichnet - eine riesige Fläche für Schwerlastlogistik direkt am tiefen Wasser. „Das ist für Schwerlastfundamente, die nur hier errichtet werden können. Die Asphaltfläche verträgt 25 Tonnen pro Quadratmeter“, sagt der Oberbürgermeister und zeigt auf das große Gelände, auf dem Hunderte von BMW auf ihre Verladung nach England warten, eine vorübergehende Nutzung. Offshore allein werde nicht funktionieren, sind Stietzel und Getsch überzeugt. Die Zahl der Beschäftigten in der Offshore-Industrie hat sich in Cuxhaven in den letzten Jahren halbiert. Aber die Produktion von extrem schweren Gütern mit der Möglichkeit der Verladung ins seetiefe Wasser könnte in Cuxhaven eine neue Heimat finden. Überhaupt ist erstaunlich, wie sehr sich Cuxhavens Hafenanlagen im Osten vergrößert haben.

Ob auch die Olympiasegler sie zu sehen bekommen? Cuxhaven hat nur eine Außenseiterchance. Getsch nutzt sie.

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