Gutachten

Dachauer Todesschütze ist schuldfähig

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Der Angeklagte Rudolf U. liegt am zweiten Verhandlungstag in einem Sitzungssaal des Landgericht in München im Bett und spricht mit seinem Anwalt Wilfried Eysell.

München - „Rechthaberei und Selbstgerechtigkeit“ hat ein Gutachter dem Dachauer Todesschützen bescheinigt. Der Angeklagte ist nach der Ansicht eines Psychiaters schuldfähig.

Der Dachauer Todesschütze ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters schuldfähig. Er habe „keine Zweifel an der Schuldfähigkeit“ des Angeklagten, sagte der Aachener Psychiater Henning Saß am Mittwoch vor dem Landgericht München. Der 55 Jahre alte insolvente Transportunternehmer muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten. Er hatte im Januar einen jungen Staatsanwalt im Amtsgericht Dachau erschossen. Der inzwischen beinamputierte Mann nimmt in einem Krankenbett an dem Mordprozess in München teil.

„Eine krankhafte seelische Störung hat sich nicht finden lassen“, sagte Saß. Auch ein Schlaganfall im Jahr 2010 habe keine bleibenden psychischen Schäden verursacht. Voraussichtlich am Donnerstag sollen Staatsanwalt, Nebenklage und Verteidigung ihre Plädoyers halten.

Der 55-Jährige handelte seiner Ansicht nach auch nicht im Affekt, als er im Gerichtssaal das Feuer eröffnete. „Da ist nicht in der Situation etwas über ihn gekommen, sondern er hat es gewollt.“ Gegen eine Affekt-Tat spreche neben seinem immer wieder formulierten Hass auf die Justiz auch, dass der Angeklagte die Pistole vor der Tat getestet und auch geprüft habe, ob er nach einer Lähmung auch mit der linken Hand schießen könne. Saß bescheinigte dem Angeklagten „fanatisch-querulatorische Züge“, „Rechthaberei, Selbstgewissheit und Selbstgerechtigkeit“. Er sei sehr egozentrisch. Die Fähigkeit zur Realitätskontrolle sei bei ihm aber nicht beeinträchtigt.

dpa

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