Experte warnt nach Brand auf "Purple Beach"

"Das aufsteigende Gas ist giftig"

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Foto: Am Morgen hatte eine riesige Gaswolke über dem havarierten Schiff gestanden, an der Küste ist Geruch wahrzunehmen.

Cuxhaven/Kiel - Nach dem Brand auf dem Düngemittelfrachter "Purple Beach" warnt Klaus Ruppersberg vom Leibniz-Institut in Kiel vor giftigen nitrosen Gasen, die sich bei dem Brand entwickelt haben könnten. Am Mittwochmorgen hatte eine riesige Gaswolke über dem Schiff gestanden, an der Küste war Geruch wahrzunehmen.

Herr Ruppersberg, wie schätzen Sie die Gefahr ein, die von der „Purple Beach" ausgeht? Ich muss vorweg sagen, dass ich nicht vor Ort bin. Aber auf einigen Bildern ist zu sehen, dass gelblich-brauner Qualm aufsteigt. Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich um nitrose Gase handelt, die da in die Luft gehen. Diese Gase entstehen, wenn der Hauptbestandteil von Düngemitteln, also Ammoniumnitrat, durch Wärme zersetzt wird.

Was sind nitrose Gase? Das sind unter anderem Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid, also gefährliche Gase. Stickstoffdioxid beispielsweise ist brandfördernd und, wenn es mit Wasser reagiert, ätzend. Man muss also deutlich sagen: Das Gas, was da aufsteigt, ist giftig. Die Farbe ist ein deutlicher Indikator: Je gelber und je brauner die Wolke, desto gefährlicher ist sie. Das sind Atemgifte. Wer sie ungeschützt einatmet, riskiert eine Verätzung der Atemwege.

Aber es wird doch gesagt, dass keine Gefahr von der Wolke ausgeht. Ich kann nur sagen: Mit Düngemitteln ist nicht zu spaßen. Der Hauptbestandteil Ammoniumnitrat wird auch zur Herstellung von Sprengstoff genutzt. Das ist hochexplosiv. Und wenn nitrose Gase mit Wasser reagieren, entsteht Salpetersäure. Das zu verharmlosen finde ich frevelhaft.

Wann besteht eine Gefahr für die Bevölkerung? Man kann ganz klar sagen: Wenn man nitrose Gase riecht, sind sie giftig. Der Geruch erinnert an den Chlorgeruch im Schwimmbad. Wer ihn in der Nase hat, sollte sich schnell ein feuchtes Tuch vor den Mund und die Nase halten. Und er sollte das Tuch ab und zu auswaschen, denn darin sammeln sich die giftigen Gase. Und Fenster und Türen sollten in einem solchen Fall natürlich auch geschlossen bleiben.

Klaus Ruppersberg ist Chemielehrer und arbeitet am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel.

Quelle: HAZ

Klaus Ruppersberg ist Chemielehrer und arbeitet am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel.

Interview: Kristian Teetz

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