AKW Grohnde

Defekte Feder im Kernreaktor

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„Mehr Aufmerksamkeit als bisher“: Das Atomkraftwerk Grohnde im Kreis Hameln-Pyrmont soll nach dem Willen des Umweltministeriums genauer überprüft werden.

Hannover - Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hat einen noch schärferen Blick der Behörden auf das Atomkraftwerk Grohnde angekündigt. Anlass dazu bietet nach Wenzels Ansicht der Fund von drei defekten Bauteilen im nuklearen Inneren des Meilers.

Dabei handelt sich um den Teil eines Drosselkörpers, der zur Kühlung der Anlage beiträgt, sowie um zwei gebrochene Federn an anderen Drosselkörpern. Wenzel sprach am Dienstag von einem „ernsten Zwischenfall“ und einer „sicherheitstechnisch sehr bedenklichen“ Sache. Eine abschließende Stellungnahme des Kraftwerkbetreibers e. on. werde am Donnerstag erwartet, sagte Wenzel. e.on-Sprecherin Petra Uhlmann bestätigte den Fund der gebrochenen Federn. „Alle Fachleute sind sich bei uns aber einig, dass die Federn keine sicherheitstechnische Relevanz haben“, sagte sie.

Das Kernkraftwerk Grohnde ist am 25. April planmäßig abgeschaltet worden - wegen der alljährlichen Revision, bei der die Sicherheit der Anlage überprüft wird. Anlass für Reparaturarbeiten lieferte ein kaputter Generator im nichtnuklearen Teil der Anlage, dessen Austausch einige Wochen in Anspruch nimmt. In der vergangenen Woche ist jedoch im zur Revision geöffneten Reaktorkern der abgesprungene Teil einer Drosselklappe gefunden worden. Die Drosselkörper werden zur Kühlung der Brennstäbe eingesetzt. e.on habe erst von einem Einzelfall gesprochen, sagte Wenzel: „Die gebrochenen Federn zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt.“ Ob der Vorfall Konsequenzen auch für andere Kernkraftwerke in Deutschland habe, sei offen. Bislang seien die Federn nur stichprobenartig und nicht durchgängig überprüft worden, bemängelte Wenzeln.

„Es sind nur Stichproben gemacht worden, weil die Federn eben keine sicherheitstechnische Relevanz haben“, sagte demgegenüber e.on-Sprecherin Uhlmann. Die Revisionen dienten dazu, in einem sehr frühen Stadium Fehler zu entdecken: „Wir gehen immer noch davon aus, dass wir am 20. Juni wieder ans Netz gehen.“ Wenzel gab dazu keine Prognose ab. Bei einem mehr als 30 Jahre alten Reaktor erwarte man in der Restlaufzeit „mehr Aufmerksamkeit als bisher“, sagte er. Eventuell müssten externe Gutachter den Zwischenfall prüfen.

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