Zu viel Engagement

Dehm stellt die Linke vor Zerreißprobe

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Will seine Partei in Niedersachsen auf Kurs bringen: Diether Dehm.

Hannover - Eigentlich wollte der Bundestagsabgeordnete Diether Dehm sich aus den Angelegenheiten des niedersächsischen Landesverbands der Linken heraushalten. Doch nun mischt er auch ohne Amt wieder kräftig mit und stellt seine Partei vor eine Zerreißprobe.

Beim Parteitag der Linken in Hannover wurde der Konflikt das erste Mal öffentlich. Der Kassenwart Ole Fernholz und seine Stellvertreterin Helga Nowak traten aus Protest gegen Dehm und seine Kandidaten nicht wieder an. „Da geht es um Machtausübung“, sagte Nowak. Als der Goslarer Michael Ohse eine wütende Rede gegen den Einfluss der Bundestagsabgeordneten um Dehm im Landesverband hielt, wurde er abgestraft: Mit 48 Prozent der Stimmen fiel er bei der Wahl zum Verbandsgeschäftsführer durch. Ohse habe sich im Ton vergriffen, sagten viele nach diesem Denkzettel. Aber nicht wenige gaben ihm hinter vorgehaltener Hand recht: Dehm drücke seine Leute im Vorstand durch, hieß es.

Dehm selber weist das zurück: „Das war schon eine sehr breite Mehrheit, keine Clique.“ Der Vorstand zeichne sich durch große Pluralität aus und bestehe aus unterschiedlichen Typen, die aus verschiedenen Denkrichtungen und Regionen kämen.

Allerdings bestreitet er nicht, sich eingeschaltet zu haben – auch wenn er das eigentlich gar nicht wollte. Dehm sagte, er engagiere sich stark auf nationaler und europäischer Ebene, unter anderem als Schatzmeister der Europäischen Linkspartei zusammen mit Alexis Tsipras. Den niedersächsischen Landesverband habe er damals deshalb den Nachfolgern überlassen müssen. „Ich habe gedacht, die Truppe wuppt das.“

Doch die Truppe erfüllte nicht Dehms Erwartungen. Der alte Vorstand um Manfred Sohn habe sich zuletzt ausschließlich um theoretische Fragen gekümmert und eine Katastrophentheorie vom unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Kapitalismus propagiert, meint Dehm und fügt scherzhaft hinzu: „Ich hatte die Befürchtung, dass unser Landesverband noch früher zusammenbricht.“ Nun müsse die Partei wieder nach vorne gebracht und auch öffentlich sichtbar werden, wie das in der Vergangenheit bereits gelungen ist: „Zum Beispiel mit einem Kulturwahlkampf, bei dem sich Künstler und Linke immer wieder auf Marktplätzen zeigten. Da müssen wir wieder hin!“ Ratschläge, die nicht bei jedem in der Partei willkommen sind: Etwa ein Drittel der Linken sehe Dehms Intervention kritisch, heißt es intern. „Den Verzicht auf unseren Flügel kann sich die Partei nicht leisten“, warnt Helga Nowak.

Dehm habe „eine große Überzeugungskraft, nach wie vor“, sagt der neue Landesvorsitzende Herbert Behrens. „Er lässt sich in keinster Weise die Butter vom Brot nehmen. Und wenn er sieht, es muss etwas verändert werden, dann setzt er alles daran. Das neiden ihm viele.“ Als Marionette seines Vorvorgängers im Amt sieht er sich gleichwohl nicht. „Vom Typ her liegen wir weit auseinander, aber wir pflegen einen guten Umgang“, sagt Behrens.

Dehms starkes Engagement soll aber nicht von Dauer sein. „Mit dem Neubeginn jetzt und dem neuen Vorstand werde ich mich ab Mai gewiss viel weniger um lokale Zankereien kümmern müssen“, sagt der Unternehmer.

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