ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin

Deichbruch zieht Bahnchaos nach sich

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Foto: Durch Umleitungen der ICEs zwischen Hannover und Berlin kam es in Hannover zu Verspätungen.

Hannover/Magdeburg - Fahrgäste brauchen weiterhin Geduld: Nach dem Bruch eines Elbdeichs in Sachsen-Anhalt hat das Hochwasser zwei Hauptstrecken der Bahn lahmgelegt. Noch immer gibt es erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr – auch in Hannover.

Besonders betroffen ist die viel genutzte Ost-West-Verbindung der ICE-Linie 10 von Berlin über Hannover und Hamm nach Düsseldorf und Köln. Sie wird zwischen Berlin und Hannover über Wittenberge-Stendal-Wolfsburg umgeleitet. Das ist die Hauptstrecke nach Hamburg, deshalb verspäten sich auch die Züge von Berlin in die Hansestadt.

Servicenummer

Die Bahn hat für alle Kunden eine kostenlose Servicenummer eingerichtet. Bis auf weiteres erhalten Kunden unter 08000 99 66 33 kostenlos aktuelle Informationen rund um die Uhr. Kunden im Ausland erhalten Informationen unter +49 1805 334444 (Gebühren je nach Herkunftsland und Provider).

Bahnreisende mit dem Fahrtziel Berlin mussten am Montag stundenlange Verspätungen und gar Zugausfälle in Kauf nehmen. „Einige wenige Züge mussten gestrichen werden, doch der Großteil der Züge von Hannover nach Berlin konnte umgeleitet werden“, teilte die Bahn gestern Nachmittag mit. Wer nach Berlin wollte, reiste über Wolfsburg, Stendal und Wittenberge.

Am Hauptbahnhof Hannover war der Andrang auf das Servicepersonal groß. Die Menschen fragten nach alternativen Verbindungen, Entschädigungen oder wollten einfach nur wissen, wie es für sie weitergeht. Eine Frau ärgerte sich über falsche Informationen, die ein Schaffner in ihrem Zug gegeben hatte.

Auf Gleis 9 reihten sich gestern Nachmittag Reisende, die nach Berlin wollten. Der ICE um 15.51 Uhr fiel aus. Wer früh genug kam, konnte den Zug 15.31 Uhr nehmen. Der hatte allerdings zehn Minuten Verspätung – gestern eine durchaus erträgliche Wartezeit. „Wir sind froh, dass niemand die Bahn für das Wetter verantwortlich macht“, sagte ein Bahnmitarbeiter, der einer Frau den Koffer aus dem Zug hievte. Die Stimmung im ICE sei aber gut.

Dietlind Friedenstab, Doreen Bonaventura und Gudrun Harmann lernten sich im Abteil, kurz nach der Abfahrt in Gießen, kennen. „Wir haben alle genau hingehört, damit wird ja keine Info verpassen“, sagte Friedenstab. Sie kamen über Kassel-Wilhelmshöhe nach Hannover. Auch Franziska Lück und Janice Wiborny haben ihre Reise nach Berlin in Gießen begonnen. Die beiden Abiturientinnen aber wurden vom Bahnpersonal in Gießen zunächst nach Kassel geschickt. Von dort aus ging es für die beiden nach Fulda. "Dann wurden wir wieder nach Kassel geschickt", erklärte Franziskia Lück. In Hannover wollten die Freundinnen dann mit einem ICE weiterzufahren, auch wenn sie keine Ticket für diese Zugklasse hatten. Die Bahn erlaubte das am Montag. Denn für die vom Hochwasser betroffenen Reisenden hat die Bahn eine Kulanzregelung, nach der bei Ausfällen und Verspätungen Fahrkarten entgeldfrei erstattet werden können. Auch Tickets mit Zugbindung können auf andere Züge gültig geschrieben werden.

Für ein junges Paar aus dem kalifornischen San Diego wurde die Reise von Amsterdam nach Berlin zu einem kleinen Abenteuer. Aus der Heimat kennen Jason Ginter und Amanda Daly nur Erdbeben und Brände, über das Ausmaß des Hochwassers waren sie erschrocken. Die Verspätungen am Gleis nahmen die beiden aber gelassen. "Das Wetter ist zu gut, um sich zu ärgern," sagte Ginter.

Eine Schulklasse aus Emden war auf dem Weg nach Berlin auch guter Dinge. "Noch läuft alles nach Plan", sagte Klassenlehrer Dirk Mestemacher. "Angesichts der Lage, haben wir großes Glück." Wie lange die Strecke noch gesperrt bleibt, richte sich nach dem Hochwasserstand – „geht es zurück, wird auch die Strecke wieder befahrbar sein,“ heißt es von Seiten der Bahn.

Wieder planmäßig fahren die Züge der ICE-Linie 28 von Hamburg über Berlin und Leipzig nach München. Es sei aber noch mit Verspätungen von etwa einer halben Stunde zu rechnen, teilte die Bahn mit. Die Bahn reagiert mit Ausnahmeregelungen auf die Hochwasserlage.

Bis 23. Juni werden die Kosten für Fahrkarten und Reservierungen bei Verspätungen oder Ausfällen erstattet, wenn Reisende die Fahrt nicht antreten möchten. Tickets mit Zugbindung können auf eine andere, zeitnahe Verbindung umgeschrieben werden.

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Weitere Informationen zu Verspätungen und Umleitungen finden Sie unter www.bahn.de/aktuell.

Von Felix Klabe

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