Sieben Steinhäuser in Ostenholz

Ein Denkmal bricht zusammen

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Eingestürzt: Die mächtigen Findlinge mitten auf dem Truppenübungsplatz.

Ostenholz - Hinweisschilder sind mit Klebeband unkenntlich gemacht oder mit Müllsäcken umhüllt, an einigen findet sich ein Blechstück mit der Aufschrift „gesperrt“. Wer in diesem Jahr für die Zeit der Heideblüte einen Ausflug zu den Sieben Steinhäusern plant, wird enttäuscht.

Das vermutlich bedeutendste archäologische Denkmal zwischen Hannover und Hamburg darf nicht von Touristen besucht werden. Der Grund: Eines der fünf Großsteingräber auf dem Truppenübungsplatz Bergen ist Ende vergangenen Jahres eingestürzt. Wann eine Reparatur beginnen wird, ist noch offen.

Warum einer der Decksteine des vermutlich 5000 Jahre alten Gebäudes abgerutscht ist – niemand weiß es. Ob das aus mächtigen Findlingen zusammengesetzte Grab in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann, ist genauso unklar. Archäologen befürchten, dass auch die vier bisher unversehrten Gebäude ihre Standfestigkeiteingebüßt haben könnten. Deshalb hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Bonn im März ein Gutachten in Auftrag gegeben, das auch eine Zustandsanalyse für den gesamten Komplex enthalten soll. Der Schießbetrieb und die militärischen Übungen auf dem größten Trainingsgelände der Nato in Norddeutschland werden als Ursache für den Einsturz bisher ausgeschlossen.

Die Bima mit ihrer Dienststelle in Soltau hat sich der Sache angenommen, weil sie Eigentümerin des Truppenübungsplatzes Bergen ist und sich die Sieben Steinhäuser in dessen Zentrum befinden. „Wir werden die Kosten für die Instandsetzung übernehmen“, sagt Thorsten Grützner in der Bima-Zentrale. Sowohl die Bundeswehr als auch die Bima hätten ein Interesse an „einer zügigen Aufhebung der Sperrung“. Doch die Erstellung des Gutachtens verzögere sich.Die Sieben Steinhäuser haben sich zu einer Touristenattraktion entwickelt, obwohl sie von Schießbahnen des Truppenübungsplatzes umgeben sind und nur an Wochenenden und Feiertagen besichtigt werden konnten. Von Ostenholz im Heidekreis führt eine fast vier Kilometer lange Straße zu den Bauwerken, die während der sogenannten Trichterbecherkultur entstanden sind und offenbar nicht nur als Grabanlagen, sondern auch als Kultstätte genutzt worden. Kurios ist der Name: Seit Jahrhunderten ist die Rede von den Sieben Steinhäusern, obwohl es nur fünf Gräber gibt. Die Sieben sei eine magische Zahl, sagen die Heidjer, und werde im Volksmund auch als Umschreibung für mehrere Dinge gebraucht, etwa wenn jemand aufgefordert werde, seine „Siebensachen“ zu packen oder „sieben auf einen Streich“ getroffen werden.

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