Kein Schnee zum Fest

Ist denn schon wieder Frühling?

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Weihnachtsmann auf grün: Schnee an den Festtagen bleibt in diesem Jahr wohl ein traum.

Offenbach - Weihnachten steht vor der Tür, doch von Schnee und Kälte ist nichts zu sehen. Stattdessen klettern die Temperaturen wieder in den zweistelligen Bereich. Ein weißes Fest wird deshalb wohl ein Traum bleiben, denn schneesicher sind in diesem Jahr nur die Alpen.

Trübe, nasskalt und vor allem dunkel - das ist typisches Dezemberwetter in Deutschland. Genau so wird es wohl auch diesmal Weihnachten. Für Schnee ist es wie meistens zu mild. Eine Woche vor dem Fest machen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) keine Hoffnung auf weiße Weihnachten - mild und regnerisch bei fünf bis zehn Grad plus sollen die Feiertage nach der Prognose ausfallen. Die Schneewahrscheinlichkeit im Flachland gehe gegen Null, sagt DWD-Meteorologin Magdalena Bertelmann. Derzeit sei es wärmer als zu dieser Jahreszeit üblich, aber ganz so warm wie 2012 werde es sicher nicht - damals erlebte Deutschland das mildeste Weihnachtsfest mit Temperaturen nahe 20 Grad im Südwesten.

Wie wahrscheinlich sind weiße Weihnachten in Deutschland generell?

Kommt drauf an wo. Nur in den Alpen liegt an den Feiertagen verlässlich Schnee (Wahrscheinlichkeit 100 Prozent), im Bayerischen Wald beträgt die Wahrscheinlichkeit immerhin noch 90 Prozent, aber schon in München nur noch 40 Prozent, in Berlin 20 Prozent und entlang der Küsten und am Rhein nur noch 10 Prozent. Zuletzt gab es 2010 in ganz Deutschland weiße Weihnachten. Damals lag Berlin sogar unter einer bis zu 38 Zentimeter dicken Schneedecke.

Gab es früher mehr Schnee?

Dass früher mehr Schnee lag, wie viele Menschen glauben, stimme nicht, versichern die DWD-Meteorologen. Nach Auswertung der vergangenen 50 bis 60 Jahre habe sich an der Weihnachts-Schneewahrscheinlichkeit nichts geändert.

Was ist das typische Weihnachtswetter in Deutschland?

Viel häufiger als weiße Weihnachten sei das sogenannte Weihnachtstauwetter, sagt DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. Dann liege um die Feiertage ein Tiefdruckgebiet über dem Nordmeer zwischen Island und Skandinavien und sorge für eine westliche Strömung mit feucht-milder Luft. Schon gefallener Schnee taut bei solchen Verhältnissen wieder weg. In 70 Prozent der Jahre ist nach der DWD-Statistik mit einer solchen Wetterlage zu Weihnachten zu rechnen. In diesem Jahr allerdings gibt es kein Tauwetter, denn bis auf die höchsten Lagen der Mittelgebirge gab es bisher auch keine Schneedecke.

Wie wird der Winter?

Während der Winter im Kalender erst Ende Dezember beginnt, rechnen die Meteorologen in vollen Monaten - für sie ist von Anfang Dezember bis Ende Februar Winter. Eine Prognose für den ganzen Winter ist nicht möglich. Der DWD gibt lediglich einen Jahreszeitentrend bekannt, danach ist die Wahrscheinlichkeit für einen „mittleren“ oder „warmen“ Winter höher als für einen kalten.

Wann war es besonders kalt?

So vielfältig und regional unterschiedlich wie Weihnachten verläuft auch der Winter in Deutschland. Der kälteste der vergangenen zehn Jahre war nach den Aufzeichnungen des DWD der Winter 2009/10 - damals lag die Durchschnittstemperatur der drei Wintermonate 1,5 Grad unter dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Ungewöhnlich viel Schnee gab es damals auch, an der Ostsee türmten sich meterhohe Schneewehen, Berlin lag fast zwei Monate unter einer geschlossenen Schneedecke. Etwas zu kalt war es auch 2010/11, 2008/09 und 2005/06.

Wann war es besonders mild?

Deutlicher sind die Abweichungen nach oben: Der Winter 2006/07 steht mit einer Abweichung um 4,2 Grad als wärmster Winter seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 in der DWD-Statistik. Und auch 2007/08 war es mit 2,7 Grad über normal viel zu mild. Der Winter 2012/13 war der trübste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen, und Deutschland erlebte die wärmsten Weihnachtstage - Heiligabend herrschte in Freiburg bei 18,9 Grad T-Shirt-Wetter. Ostern fiel kälter aus. Im Februar wurde es noch einmal sibirisch kalt mit minus 22,9 Grad in Oberstdorf. Der vergangene Winter 2013/14 war ebenfalls extrem mild.

Von Sabine Ränsch

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