Polizeieinsätze in der Bundesliga

Derby-Krawalle kosten das Land Millionen

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Der Profifußball hat die Polizei in der vergangenen Saison so stark beschäftigt wie lange nicht.

Hannover - Der Profifußball hat die Polizei in Niedersachsen in der vergangenen Saison so stark beschäftigt wie lange nicht: Allein rund um die Erstligaspiele von Hannover 96, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig waren Polizeibeamte insgesamt 141.283 Stunden im Einsatz. Das hat das Land, und damit die Steuerzahler, acht Millionen Euro gekostet.

Die Spiele im Oberhaus haben das Land acht Millionen Euro gekostet. Das geht aus Zahlen der Landesinformationsstelle Sporteinsätze (LIS) hervor, die sich wiederum aus der am vergangenen Freitag präsentierten bundesweiten Jahresbilanz der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze ableiten.

Der Leiter der LIS im Innenministerium in Hannover, Matthias Mendel, spricht von einem „sehr gravierenden Anstieg“ im Vergleich zur Vorsaison. In der Spielzeit 2012/2013 mussten niedersächsische Polizeibeamte etwa 75.000 Einsatzstunden zum Schutz von Fußballspielen leisten – und zwar in der 1. und in der 2. Liga zusammen.

Dass Mendel für die vergangene Saison nur auf die 1. Bundesliga schaut und im Jahr davor das Unterhaus mit betrachtet, hat einen Grund: den Aufstieg von Eintracht Braunschweig in die 1. Liga. Dadurch gab es vier zusätzliche „Niedersachsenderbys“ gegen den VfL Wolfsburg und gegen Hannover 96 – mit einem erhöhten Risikopotenzial, wie allein die Partien zwischen Hannover und Braunschweig gezeigt haben. Außerdem gab es in der Saison 2013/2014 keinen niedersächsischen Zweitligisten.

Allein bei beiden Spielen zwischen 96 und Braunschweig 54.000 Einsatz-Stunden

„Die vergangene Saison war geprägt von einem dritten niedersächsischen Verein in der 1. Liga“, sagt Mendel. Allein bei den beiden Spielen zwischen 96 und Braunschweig waren Polizeibeamte rechnerisch knapp 54.000 Stunden im Einsatz. Für die Partien zwischen Wolfsburg und Braunschweig kamen noch einmal 8000 Stunden hinzu – normal sind laut Mendel 1400 Stunden pro Spiel. Die Zahl der Verletzten (Fans und Beamte) schnellte von 77 auf 123 in die Höhe. Die Anzahl der Ermittlungsverfahren wegen Abbrennen von Pyrotechnik stieg von 20 auf 254. Davon wurden 242 Verfahren nach Spielen in Hannover eingeleitet. Ein Grund dafür ist laut Mendel die bessere Videotechnik in Stadien – die Zündler sind besser erkennbar.

Die beiden Polizeigewerkschaften GdP und DPolG kritisieren vor allem die hohe Belastung der Beamten. „Die Kollegen kommen aus den Einsatzstiefel kaum raus“, sagt der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Sein Kollege Thomas Kliewer von der DPolG sieht es ähnlich: „Ein Drittel der Einsatzstunden der Bereitschaftspolizei geht nur für den Fußball drauf.“ Kliewer plädiert dafür, dass die Polizei im Stadion nicht mehr präsent sein soll. Stattdessen sollten besser ausgebildete Ordner in den Arenen für Sicherheit sorgen. Die Polizei könne gerufen werden, „wenn etwas passiert ist“. Schilff fordert Vereinsführungen und Mannschaften auf, „deutlicher klar zu machen, dass sie Gewalttäter nicht im Stadion haben wollen“.

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