Muss der Einzelhändler gehen?

Designer Outlet bei Soltau wird eröffnet

+
Am 30. August öffnet das Designer Outlet bei Soltau.

Soltau - Nach jahrelangem Hickhack wird das Designer Outlet bei Soltau eröffnet. Manche sehen darin eine Gefahr für den Einzelhandel, andere eine Chance für die ganze Region. Beide Seiten könnten Recht haben.

Das Factory Outlet Center in seiner Heimatstadt Soltau hat Detlev Scholle nicht verhindern können. „Das kostet uns im Einzelhandel Arbeitsplätze“, sagt er. „Da bin ich mir ganz sicher“. Mit seinen Sorgen steht der Inhaber eines Geschäfts für Herrenbekleidung in der Innenstadt nicht allein da. Er war lange Vorsitzender der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe, die jahrelang gegen die unliebsame Konkurrenz an der Autobahnzufahrt gekämpft hat, vergeblich. „Ich bin nach wie vor dagegen - das ist der Tod der individuellen Inhaber-geführten Geschäfte“, sagt Scholle.

Nach jahrelangem juristischen Tauziehen mit Bispingen und Bad Fallingbostel steht das Designer Outlet im Heidekreis kurz vor der Eröffnung, am 30. August soll es losgehen. Soltaus Bürgermeister Wilhelm Ruhkopf (SPD) verspricht sich davon einen Gewinn für die Region Lüneburger Heide, er rechnet mit mehr als einer Million Besuchern im Jahr. „Von diesem Besucherstrom dürften auch die anderen touristischen Leuchttürme in der Umgebung profitieren“, meint Ruhkopf. Im Städtedreieck Hamburg-Bremen-Hannover lebten sieben Millionen Menschen, die Soltau innerhalb einer Stunde erreichen könnten. Und dann sind da noch die 400 Arbeitsplätze, die das Designer Outlet Soltau bringen soll.

Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Will vom Standort- und Strategieberatungsunternehmen ecostra in Wiesbaden sieht es ähnlich wie Ruhkopf, bleibt aber vorsichtig. Will hat seit Jahren im ganzen Bundesgebiet auch die Auswirkungen von Factory Outlet Centern (FOC) auf die Einzelhändler der Umgebung untersucht. „Das bedeutendste Element ist die überregionale und oft sogar internationale Werbung für die jeweilige Region - da kann ein Gebiet wie die Heide erheblich profitieren“, fasst Will zusammen.

„Die alte Aussage, dass ein Arbeitsplatz in einem FOC 2,3 Arbeitsplätze in der Region kostet, lässt sich nicht mehr halten“, sagt Will. Stattdessen habe sich die Zahl der Arbeitsplätze in der jeweiligen Region erhöht. „Soltau wird zwar kaum von einem Hamburger Kunden profitieren, der nur zum Einkaufen ins FOC kommt. Aber als Paket mit dem Heidepark und anderen touristischen Zielen in der Lüneburger Heide profitieren viele, auch Hoteliers.“

Nicht nur in Soltau stehen Veränderungen bevor: „Innerhalb der nächsten vier Wochen wird die Zahl der in Betrieb befindlichen Outlet Center in Deutschland von sechs auf neun steigen“, hat Will gezählt. Außer bei Soltau werden auch entsprechende Zentren in Neumünster (Schleswig-Holstein) und Ochtrup (Nordrhein-Westfalen) eröffnet. „An über 20 weiteren Standorten gibt es Planungen zum Bau solcher Projekte - in vier Fällen wurde bereits die Baugenehmigung erteilt“, sagt Will. „Bislang haben wir an keinem Standort die Erkenntnis gewinnen können, dass die negativen Auswirkungen, die ursprünglich bei der Ansiedlung befürchtet wurden, auch eingetreten sind.“

Das Schließen alteingesessener Einzelhändler im Zusammenhang mit neuen Outlet Centern sei kaum nachweisbar, so Will. Ganz aber mag er die Sorgen von Detlev Scholle nicht zerstreuen: „Einzelhändler müssen unabhängig von solchen Centern ein attraktives Sortiment haben und das unter Umständen anpassen“, rät Will. „Die Outlet Center sind eine Nische, die im Gegensatz etwa zum Online-Shopping im wirtschaftlichen Gesamtumsatz kaum eine Rolle spielen - lokal oder regional können sie das aber schon.“

dpa

Kommentare