Unglück im Urlaub

Deutscher stirbt bei Gondelunfall in Venedig

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Foto: Polizisten patroullierten nach dem Unglück auf den Wasserstraßen Venedigs.

Venedig - Vor den Augen seiner Familie verunglückt in Venedig ein deutscher Tourist bei einem Gondelausflug tödlich. Im dichten Verkehrsgewimmel auf dem Canale Grande hatte ein Wasserbus die Gondel gerammt.

Ein deutscher Tourist ist bei einem Gondelunfall in Venedig ums Leben gekommen. Der 50-Jährige hatte Medienberichten zufolge am Samstag mit seiner Familie einen Ausflug auf dem Canale Grande unternommen, als die Gondel mit einem Vaporetto-Wasserbus zusammenstieß. Die Touristen und der Gondoliere stürzten ins Wasser, dann wurde der Mann zwischen der Fähre und einem Pier zerdrückt. Medienberichten zufolge hatte er sich zuvor schützend über seine kleine Tochter geworfen.

Helfer hätten versucht, den Familienvater noch an der Unfallstelle zu reanimieren, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Beim Eintreffen im Krankenhaus wurde der Mann jedoch für tot erklärt. Die drei Jahre alte Tochter erlitt eine Gehirnerschütterung und Verletzungen im Gesicht, wurde aber bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Ehefrau und die beiden Söhne des Paares blieben unverletzt. Der Getötete soll nach Angaben von Medien in München tätig gewesen sein.

Der Kapitän des Vaporettos gab an, er habe die Kontrolle über sein Schiff verloren, als er versuchte, Gondeln und Wassertaxis an der berühmten Rialtobrücke auszuweichen. Er hatte den Rückwärtsgang eingelegt und die Gondel etwa 20 Meter mitgeschleift.

Nach dem Unfall wurden Forderungen nach besseren Verkehrskontrollen auf den Kanälen der Lagunenstadt laut. Die Tageszeitung „Corriere della Sera“ schrieb etwa, dass jeden Tag etwa 3500 Schiffe, Wassertaxis und Gondeln auf dem Canale Grande fahren. Vor drei Jahren seien es noch 2500 gewesen. „Es ist ein Unsegen in Italien dass immer "danach" gehandelt wird“, schrieb das Blatt. „Seit Jahren gibt es Besorgnis um den ständigen Zuwachs an Bootsverkehr in der Lagune“.

Auch Vertreter der Gondolieri kritisierten die große Zahl von Booten und Wasserbussen auf der Hauptverkehrsader Venedigs. „Wir haben schon oft gesagt, dass der Verkehr zu viel und zu schnell ist, aber niemand hört auf uns“, sagte der Chef der Gondolieri-Gewerkschaft, Aldo Rato, der Ansa. Fahrten mit den traditionsreichen Booten zählen zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Venedig.

Der Vaporetto-Kapitän und der Gondoliere wurden bereits von dem ermittelnden Staatsanwalt vernommen, meldete Ansa. Der Wasserbus der städtischen Verkehrsgesellschaft Actv war in Richtung Markusplatz unterwegs. Wie die Tageszeitung „Corriere della Sera“ meldete, waren zum Unglückszeitpunkt drei Wasserbusse an der Rialtobrücke.

Die Gondolieri Venedigs hatten angekündigt, aus Solidarität mit den Verunglückten vorübergehend ihre Fahrten einzustellen. Allerdings beteiligten sich nur weniger als die Hälfte der Gondolieri an der Aktion, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag. Nicola Falconi, Präsident der Gondoliere-Vereinigung, sagte, die Goldoliere wollten zudem die Familie des Opfers unterstützen und die Rückreise nach Deutschland sowie die Beerdigungskosten bezahlen.

dpa

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