Studie der Stiftung für Zukunftsfragen

Deutsches Vertrauen in Mitmenschen wächst

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Hamburg - Die Deutschen begegnen sich wieder mit mehr Zutrauen. Der Hamburger Forscher Ulrich Reinhardt hält den Trend für eine Reaktion auf die krisengebeutelten Jahre seit der Jahrtausendwende. Vor allem die Jungen besinnen sich demnach auf das Zwischenmenschliche.

Die Deutschen fassen immer mehr Vertrauen zueinander. Wie eine Untersuchung der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergab, sagen im Jahr 2013 fast zwei Drittel (65 Prozent), „dass man den Menschen vertrauen“ könne. 2010 waren es demnach noch neun Prozent weniger. 2008 sprach nicht mal die Hälfte (49 Prozent) von Vertrauen in die Mitmenschen. „Die Entwicklung ist vor allem getragen durch die nachwachsenden Generationen“, erklärte Stiftungsleiter Ulrich Reinhardt.

Besonders stark ausgeprägt ist das Vertrauen der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren. Hier gehen 76 Prozent zuversichtlich auf andere zu. Die Älteren sind hingegen skeptischer. In der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen kommen die Vertrauensvollen beispielsweise auf einen Anteil von 62 Prozent. Auffallend ist zudem die Schere zwischen Singles und Menschen mit festem Partner. Während bei den Alleinstehenden zwischen 25 und 49 Jahren rund 42 Prozent angaben, anderen Menschen eher nicht vertrauen zu können, haben bei den Paaren im gleichen Alter nur etwas mehr als 25 Prozent grundsätzliches Misstrauen.

Ein Grund für die Entwicklung sind laut Stiftungsleiter Reinhardt die Krisen des vergangenen Jahrzehnts – der Terrorismus, die Banken- oder die Euro-Krise. „Man merkt wieder, dass man mehr aufeinander angewiesen ist“, sagte er. Unter anderem habe gute Nachbarschaft eine Renaissance erlebt. Laut Befragung hält zudem die große Mehrheit (91 Prozent) die Familie für das Wichtigste im Leben. „Wenn eine Bedrohung von außen kommt, wird der innere Zusammenhalt größer. Insofern können Krisen, die viele Menschen tangieren, auch zu einem Vertrauensanstieg untereinander beitragen“, sagte der Vertrauensforscher Martin K.W. Schweer von der Uni Vechta.

Für die repräsentative Untersuchung hat die Stiftung mehr als 2000 Deutsche ab 14 Jahren zu unterschiedlichen Zeitpunkten in persönlichen Interviews befragt.

dpa

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