Nach Prostitutionsvorwürfen

Diakonie Himmelsthür kämpft um ihren guten Ruf

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Foto:Himmelsthür behalte sich rechtliche Schritte wegen übler Nachrede vor, sagte Stoebe, der Direktor Diakonie.

Hildesheim - „Die Gerüchte um Prostitution müssen enden", die Heimleitung der Diakonie Himmelthür in Hildesheim hat am Dienstag das Ende der Gerüchte um mutmaßliche Prostitution von Heimbewohnern gefordert.

Der Vater einer Bewohnerin sowie ein ehemaliger Zivildienstleistender hatten berichtet, dass sich dort Behinderte prostituierten. Der Zivi hatte zudem geschildert, dass er mehrfach schwarze Zuhälterlimousinen beobachtet habe. Dass sich Bewohner prostituieren sei sogar Betreuern bekannt, hatte er mehrfach gegenüber der HAZ und der Polizei betont - und den Ermittlern sogar mehrere Namen genannt. In den Gesprächen mit der Polizei bestätigte dies aber offenbar niemand. Die Staatsanwaltschaft sieht deshalb keine strafbaren Handlungen.

Die Leitung der größten Behinderteneinrichtung in Niedersachsen ist gestern in die Offensive gegangen. „Wir sind an einer lückenlosen Aufklärung interessiert, halten es aber für dringend geboten, der Gerüchteküche so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten“, sagte Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür. Die Einrichtung wolle künftig nur noch nachforschen, wenn ihr Fakten und Belege präsentiert werden. „Sollten neue Sachverhalte auftauchen, werden wir uns selbstverständlich damit auseinandersetzen.“ Stoebe berichtete, dass es schon zu seiner Anfangszeit 2004 ähnliche „Räuberpistolen“ gegeben habe.

Gelegentliche Prostitution von Bewohnern schließen er und Regionalgeschäftsführerin Judith Hoffmann zwar nicht aus. Aber dies sei kein Grund, die Einrichtung in einem Atemzug mit Rotlichtmilieu zu nennen. „Prostitution ist ein Problem, das alle gesellschaftlichen Schichten betrifft“, sagte Stoebe. Allerdings würden die Mitarbeiter auch in diesen Fällen eingreifen - sofern sie davon Kenntnis bekämen. Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte Stoebe gesagt, er werde Prostitution bei der Diakonie Himmelsthür - ganz gleich in welcher Form - nicht dulden.

Die jüngsten Vorwürfe könnten den „Nährboden“ dafür bereiten, dass „Menschen mit Behinderungen auch in Zukunft Opfer sexueller Gewalt und sexuellen Missbrauchs werden, was leider bislang schon überproportional häufig der Fall ist“. Himmelsthür behalte sich rechtliche Schritte wegen übler Nachrede vor, sagte Stoebe.

von Christian Harbort

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