Fall vor Arbeitsgericht Mannheim

Diebstahl durch Hypnose?

Mannheim - Eine 64-Jährige soll Dieben die Tür zum Kassenbereich des Mannheimer Klinikums geöffnet haben – angeblich war sie in Trance. Ihre Kündigung hält sie daher nicht für rechtens. Nutzen Diebe tatsächlich Hypnose-Techniken als Trick?

Haben Trickbetrüger eine 64-Jährige hypnotisiert, um an mehrere Tausend Euro zu kommen? Mit dieser Frage muss sich das Mannheimer Arbeitsgericht seit Donnerstag beschäftigen (Aktenzeichen:7 Ca 130/14) - auch mit Hilfe eines Videos. Der Frau wird vorgeworfen, einem Mann und einer Frau die Tür zum Kassenbereich des Klinikums geöffnet zu haben. Später fehlten knapp 8000 Euro.

Der Angestellten des Krankenhauses war daraufhin nach über 42 Dienstjahren im Februar 2014, wenige Monate vor dem Renteneintritt, fristlos gekündigt worden. Gegen ihre Entlassung hatte sie Klage eingereicht.

Aufschluss über den Fall erhoffen sich die Juristen durch eine Auswertung der Videobänder des Kassenbereichs. Diese sollen vor dem nächsten Prozesstag im Herbst begutachtet werden. Am ersten Prozesstag sagte die Klägerin, sie habe sich „noch nie etwas zuschulden kommen lassen“. Sie sieht sich als Opfer der Diebe, die sie durch die Panzer-Glasscheibe in Hypnose versetzt hätten. An das weitere Geschehen habe sie keine Erinnerungen. Ihrer Aussage nach befand sie sich nach dem Besuch des älteren Pärchens mehrere Minuten in Trance. Erst beim Bedienen des nächsten Kunden sei ihr das Verschwinden einer hohen Geldsumme aufgefallen. Danach informierte sie ihre Vorgesetzten und die Polizei. Unterstützt wird die Frau bei dem Rechtsstreit vom Betriebsrat und der Gewerkschaft DGB. Nach Darstellung einer DGB-Expertin habe das auf den Videobändern zu sehende Täterpärchen bei einem ähnlichen „Hypnose“-Fall in der Schweiz vor kurzem einen Juwelier um einen ebenfalls hohen Geldbetrag gebracht.

Ein Vergleich der Streitparteien kam trotz mehrfacher Initiativen des Arbeitsrichters nicht zustande. Er hatte nach ausführlicher Schilderung des möglichen Tathergangs vorgeschlagen, dass die Klägerin regulär am 1. Oktober in den Ruhestand tritt, dafür auf ihre September-Bezüge verzichtet, vom Arbeitgeber aber voll rehabilitiert wird und keinen Schadenersatz leisten muss. Dies lehnten die Vertreter des Mannheimer Klinikums wegen „grober Fahrlässigkeit“ der langjährigen Angestellten im Gegensatz zu der Klägerin ab. Sie werfen der Frau nicht vor, das Geld entwendet zu haben und an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Sie nehmen aber weiter am Öffnen der Tür Anstoß und sehen in der Hypnosevermutung eine „Schutzbehauptung“. Schadenersatz soll die 64-Jährige aus Sicht des Krankenhauses aber nicht leisten müssen.

dpa

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