Tat in Lüneburg

Doppelmord soll auch religiös motiviert sein

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Lüneburg - Der Doppelmord erschütterte im Januar Lüneburg: Ein Jeside hatte sein 32 Jahre alte Frau und deren Freundin erstochen. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hält sie es für wahrscheinlich, dass die Frau den Mann verlassen und zum christlichen Glauben übertreten wollte.

Zu diesem Ergebnis kam die Staatsanwaltschaft Lüneburg bei ihren Ermittlungen, wie eine Sprecherin am Montag mitteilte. Der Mann habe gestanden, die beiden Frauen Anfang Januar in der Wohnung des Paares in Lüneburg getötet zu haben. Nach Ansicht der Ermittler hatte der Jeside die Freundin extra eingeladen, um sie zu töten.

Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Schwurgericht des Landgerichts Lüneburg Anklage wegen Mordes erhoben. "Der Grund dafür dürfte gewesen sein, dass seine Ehefrau sich von ihm trennen und zum christlichen Glauben übertreten wollte, wofür er die Freundin seiner Ehefrau mitverantwortlich machte", sagte die Sprecherin.

Mit mehreren Stichen habe er die 33-Jährige "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch" mit einem Küchenmesser getötet. "Der Angeschuldigte dürfte gehofft haben, dass seine Frau nach der Tötung der Freundin aus Angst bei ihm bleiben würde", teilte die Sprecherin weiter mit. Als seine Frau jedoch um Hilfe rief, sei ihm klar geworden, dass sie nicht zu ihm halten würde. Daraufhin habe er sie ebenfalls mit einem Küchenmesser getötet.

Nach der Tat am 4. Januar war der Ehemann zunächst verschwunden, wochenlang wurde europaweit nach ihm gefahndet. Zielfahnder konnten ihn schließlich am 23. Januar in Hamburg festnehmen, seitdem sitzt der aus dem Irak stammende Beschuldigte in Untersuchungshaft. Die Anklagebehörde gab sein Alter am Montag mit 31 Jahren an. Nach anderen Papieren könnte er aber auch 38 sein, hieß es. Der Mann könnte über einen irakischen Pass verfügen, nach dem er sieben Jahre älter wäre, hatten zuvor schon Polizei und Ausländeramt bestätigt.

Von den Nachbarn alarmierte Polizeibeamte hatten die beiden Opfer mit schweren Stichwunden am Nachmittag des 4. Januar gefunden. Anwohner hatten Hilfeschreie gehört, der Tat soll ein lauter Streit vorausgegangen sein. Als die Beamten in die Wohnung eindrangen, war eine der beiden Frauen bereits gestorben. Die andere rang noch um ihr Leben, doch auch die Notärzte konnten sie nicht mehr retten. Das jesidische Ehepaar soll drei Kinder gehabt haben, die zum Tatzeitpunkt acht, neun und elf Jahre alt waren.

Die religiöse Minderheit der Jesiden stammt aus dem Irak, aus Syrien, der Türkei und dem Iran. Die monotheistischen Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um die irakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Es ist ihnen verboten, Angehörige anderer Religionsgemeinschaften zu heiraten. Viele sind wegen ihrer Verfolgung vor allem im Irak ins Ausland geflohen. Die Massaker der Terrormiliz Islamischer Staat an Jesiden im Irak haben nach Einschätzung von UN-Experten das Ausmaß von Völkermord erreicht. Die größte Exil-Gemeinschaft gibt es in Deutschland. Hier leben bis zu 90 000 Jesiden, überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

dpa

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