Osterhasenpostamt eröffnet

Ein Dorf im Hasenfieber

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Eine Briefmarke und der Stempel aus dem Osterhasenbüro sind auf einem Briefkuvert aus dem verganenen Jahr zu sehen.

Ostereistedt (Kreis Rotenburg) - Zehntausende Kinder werden auch dieses Jahr an Hanni Hase im niedersächsischen Ostereistedt schreiben. In dem kleinen Bauerndorf wurde vor 33 Jahren Deutschlands ältestes Osterhasenpostamt eingerichtet, das am Dienstag wieder seine Arbeit aufnimmt. Die Osterstedter nehmen sich Zeit, jeden Brief zu beantworten.

Zwischen alten Bauernhäusern, Wassermühlen und Wäldern lebt der Osterhase. Das glauben zumindest die Langohrfans und schicken bergeweise Briefe in den niedersächsischen Flecken Ostereistedt.

Moderne Kommunikation ist nicht sein Ding. Er hat weder Smartphone noch Internet. Wer den Osterhasen kontaktieren möchte, muss zu Papier und Stift greifen. Jedes Frühjahr schreiben Zehntausende Langohrfans an Hanni Hase in Ostereistedt (Kreis Rotenburg). In dem kleinen Bauerndorf wurde vor 33 Jahren Deutschlands ältestes Osterhasenpostamt eingerichtet. "Das war die Idee einer Hamburger Werbeagentur", sagt Maike Wintjen, Pressesprecherin der Post. "Kinder sollen lernen, dass es sich lohnt, einen Brief zu schreiben." Dabei geht der Name Ostereistedt auf "Eichenstätte" zurück - und nicht auf Osterbräuche.

2014 kamen 36.000 Briefe

2014 trudelten im Hasenpostamt 36.000 Briefe ein, rund 2000 davon kamen aus dem Ausland. "Wir kriegen mittlerweile auch ganz viele Mails", verrät Anke Köstermann von der Samtgemeinde Selsingen. Die Gemeinde verweise aber auf den klassischen Brief. "Da machen wir der Post keine Konkurrenz, das gibt sonst Ärger." Dennoch ist Hanni Hase im Netz präsent. Mitarbeiter der Samtgemeinde richteten dem Langohr eine Webseite ein und ersannen rund um den flauschigen Feldbewohner eine Vita mitsamt Kinder- und Enkelhasen. Genervt vom Hasen-Boom sind die Ostereistedter nicht. "Das Dorf steht total dahinter, alle finden das gut, es ist ja auch nicht aufdringlich", sagt Köstermann. Drei Wochen vor Ostern schmücken die Einwohner ihr Dorf.

Am Ostersonntag steigt im Hasenwald die Ostereiersuche für 200 Kinder. "Die Landfrauen bauen die Osternester." Wer Hanni Hases Adresse "Am Waldrand" sucht, wird zwischen Glockenstuhl, Wassermühlen und alten Bauernhäusern nicht fündig. "Das ist eine Fantasieadresse", gesteht Hans-Hermann Dunker. Der 76-Jährige leitet das aus pensionierten Postlern bestehende Schreibteam im Osterhasenpostamt und ist seit 16 Jahren dabei. Als Schreibstube dient der Aufenthaltsraum des sieben Kilometer von Ostereistedt gelegenen Postamtes der Stadt Zeven. Die Briefe sind vorgefertigt, die Hasenvertreter fügen persönliche Worte hinzu.

Lange Zeit besaß Ostereistedt das einzige Osterpostamt in Deutschland - bis 2005 im sächsischen Eibau bei Zittau eine Niederlassung des Osterhasen eingerichtet wurde. In den vergangenen Jahren waren dort etwa 1500 Briefe angekommen. Neuerdings können Kinder ihre Wünsche auch nach Osterhausen schreiben, einem Stadtteil von Eisleben in Sachsen-Anhalt. Das ist die Initiative einer Kindertagesstätte zu verdanken. Mehr als 1000 Briefe hat sie in dieser Saison schon bekommen.

Die meisten Absender, die ihre Briefe ans Osterhasen-Postamt nach Ostereistedt schicken, sind laut Dunker Kinder im Alter bis zehn Jahre. Die haben viele Fragen. Etwa, ob der Weihnachtsmann mit dem Christkind verheiratet sei. "Da kann man sich manchmal vor Lachen in die Ecke werfen." Viele Kinder schicken auch Fotos und Bilder. Einige Briefe berühren Dunker und sein Team. "Ein bisschen Kummerkasten sind wir schon." Die Kinder erzählen von Wohnungskündigungen, Todesfällen und Arbeitslosigkeit. "Bei diesen Sorgen können wir wenig machen. Aber wir schreiben tröstende Worte." Auch Erwachsene vertrauen sich dem Osterhasen an, etwa bei Liebeskummer.

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