Familientragödie

Drama um die vier Waisen geht weiter

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Esenshamm - Die Aufgabe war wohl zu groß. Nur vier Wochen, nachdem eine 23-Jährige die Vormundschaft für drei Waisen zugesprochen bekommen hatte, hat sie diese nun wieder abgegeben. Die Geschwister hatten im vergangenen Jahr innerhalb von nur zweieinhalb Monaten zunächst ihren Vater und dann ihre Mutter verloren.

Der Landkreis Wesermarsch bestätigte, dass die Cousine der Kinder, Melanie Worm, die Vormundschaft aufgeben wolle. „Das geht ja nicht einseitig. Schließlich ist sie gerichtlich bestellt worden“, sagte Landkreissprecher Matthias Sturm. Das zuständige Gericht wisse bereits Bescheid. Er rechnet damit, dass ihrem Wunsch entsprochen wird, wenn ein neuer Vormund gefunden wurde. Wie es nun mit den Kindern weitergeht – etwa, ob sie weiterhin im elterlichen Haus wohnen und zusammenbleiben können – lasse sich noch nicht sagen, erklärte Sturm. Dies liege im Ermessen des neuen Vormunds. „Ich denke aber, dass es immer das Bestreben sein wird, die Kinder zusammen zu lassen.“ Sollte sich kein neuer Vormund finden, werde eine Amtsvormundschaft eingerichtet. Die Person muss nicht zwangsläufig aus der Familie der Kinder kommen.

An der Verantwortung für die Finanzen ändert sich nichts. Melanie Worm war lediglich für die Personenfürsorge zuständig. Um das Geld kümmert sich der Rechtsanwalt Cord Harbers. „Auf das Konto hat niemand Zugriff“, sagte er. Kein Spender müsse befürchten, dass Geld verschwinde. Zahlreiche Spender, darunter viele HAZ-Leser, haben die Kinder finanziell unterstützt. Wie viel Geld zusammengekommen ist, will Harbers nicht sagen. Es solle für eine gute Zukunft der zwei Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren verwendet werden. „Die Kinder sind sehr dankbar dafür“, sagte Harbers. „Sie müssen aber auch erst einmal verarbeiten, was sie in den vergangenen Monaten erlebt haben.“ Der Anwalt berichtete, dass es zum Streit zwischen der Cousine und den Kindern gekommen sei. Er wolle aber Melanie Worm keinen Vorwurf machen. „Es ist eine Herkulesaufgabe, die sie sich vorgenommen hat“, betonte Harbers. „Es ist bemerkenswert, dass sie es überhaupt versucht hat.“ Für die Kinder werde weiterhin gesorgt. Es komme jeden Tag jemand vom Jugendamt.

Helfer wie Harbers und Siegfried Adamietz, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen, schauen jetzt trotzdem positiv nach vorne. „Wir werden uns nun um die Aufräumarbeiten in und rund um das Haus kümmern“, sagte Adamietz. Auch die Großmutter der Kinder engagiere sich, sagte der Vorsitzende des örtlichen Fußballvereins, der sich seit Januar um die Koordination der Hilfe kümmert. „Es muss ja weitergehen – vor allem im Interesse der Kinder.“

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