„Viele nicht notwendig“

Drastischer Anstieg bei Kaiserschnitten

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Foto: Fast ein Drittel der Kinder in Niedersachsen werden per Kaiserschnitt geboren.

Hannover - In Niedersachsen hat sich in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Kaiserschnitte bei den Geburten mehr als verdoppelt - von 15,7 Prozent auf 32,1 Prozent. Bundesweit gibt es einen ähnlichen Trend.

„Bei Kaiserschnittgeburten erhöht sich das Risiko für die Kinder deutlich, später an Asthma oder Diabetes zu erkranken. Viele dieser Operationen sind medizinisch nicht notwendig”, sagt Wolf Lütje, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie.

Er sprach auf einer Tagung des Netzwerkes Frauen/Mädchen und Gesundheit Niedersachsen in Hannover, auf der große regionale Unterschiede deutlich wurden: Während in der Region Hannover etwa jedes vierte Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht wird, liegt der Anteil in Wilhelmshaven und Holzminden bei 42,7 Prozent.

„Die Haltung der Chefärzte spielt eine große Rolle. Aus Angst vor Prozessen wegen eines zu spät eingeleiteten Kaiserschnittes wird sich für dieses Verfahren entschieden, auch wenn es nicht notwendig ist.

Auch die Personalausstattung in den Krankenhäusern hat einen wichtigen Einfluss auf die Kaiserschnittrate”, sagt Petra Kolip, Professorin für Gesundheitsförderung an der Uni Bielefeld und Mitautorin einer Untersuchung über Kaiserschnittgeburten. Für die Kliniken sei ein Kaiserschnitt besser planbar, Nacht- und Wochenenddienste könnten so reduziert werden. Laut Kolip gibt es zudem immer weniger Ärzte mit Erfahrung von Spontangeburten von Zwillingen und Föten in Beckenendlagen, bei denen nicht der Kopf, sondern das Becken vorn liegt. Diese Kinder kämen deshalb überwiegend per Kaiserschnitt zur Welt. „Es muss mehr Spezialkliniken geben, die auch in solchen Fällen Spontangeburten anbieten”, fordert Kolip.

Nach ihren Worten gibt es eine wachsende Zahl von Frauen, die aus Angst vor Schmerzen vor einer natürlichen Geburt den Wunsch nach einem Kaiserschnitt äußern. „Das ist aber eine kleine Gruppe und erklärt nicht den großen Anstieg”, sagt sie.

Sozialministerin Cornelia Rundt regte an, anders mit dem Thema Geburt umzugehen. „Im Mutterpass sind 52 Geburtsrisiken aufgelistet. Das kann zu einer Verunsicherung führen, und es erscheint fast logisch, dass es mehr Kaiserschnitte gibt. Wir müssen stärker betonen, dass Schwangerschaft keine Krankheit ist.”

In den Landkreisen sehen die Kaiserschnittraten so aus: Göttingen 26 Prozent, Schaumburg 29 Prozent, Hildesheim 31 Prozent, Peine 34 Prozent, Salzgitter 41 Prozent. In Wolfsburg liegt die Rate bei 26 Prozent, in Braunschweig bei 36 Prozent. Dabei kann es von Klinik zu Klinik große Unterschiede geben.

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