Harter Winter

Ein Drittel weniger Äpfel im Alten Land

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Foto: Der Winter war zu lang und zu nass, dafür stimmt die Qualität: Die Ernte im Alten Land hat begonnen.

Jork - Das große Pflücken hat begonnen. Doch die Apfelernte im Alten Land fällt in diesem Jahr deutlich geringer aus als in den Vorjahren. „Das wird die schwächste Ernte seit zehn Jahren an der Niederelbe“, sagte Matthias Görgens von der Obstbauversuchsanstalt in Jork am Mittwoch.

Erwartet würden etwa 200.000 Tonnen, knapp 30 Prozent weniger als 2012. In einem normalen Jahr ernten die Bauern im Alten Land nach Angaben des Landvolks etwa 280.000 Tonnen. Das Wetter habe den Äpfeln zugesetzt, meinte Görgens. Bei den tiefen Temperaturen im Winter seien Knospen verfroren, in der Blütezeit im Mai habe es fast durchgängig geregnet. „Dadurch sind weniger Bienen geflogen, und es gab weniger Bestäubung.“

Wer als Apfelbauer auf die Sorte Jonagold gesetzt hat, hat Pech gehabt. Die „schwächele etwas“, sagt Ulrich Buchterkirch, der Vorsitzende des Fachausschusses Obstbau beim Niedersächsischen Bauernverband. „Wer das Risiko verteilt und auf verschiedene Sorten gesetzt hat, kann der Ernte etwas gelassener entgegenblicken.“ Elstar und Braeburn, sagt Buchterkirch, wachsen auch in diesem Jahr ganz gut.

Was die Apfelbauern beruhigt: Die Menge mag geringer ausfallen als sonst. Die Qualität werde aber sehr gut sein, prophezeite Görgens. „Je weniger Äpfel am Baum hängen, desto besser ist der Geschmack.“ Der viele Sonnenschein im Juli und August habe dazu beigetragen. „Da werden die Weichen für die Zuckerbildung gestellt. Die Äpfel schmecken.“ Das gelte für alle Sorten. Die Äpfel des Jahrgangs 2013 überzeugten durch ein „ausgewogenes Verhältnis von Süße und Säure und ihre besonders dünne Schale“, erklärt Buchterkirch.

Die Haupternte beginnt in etwa zehn Tagen. Das ist etwa zwei Wochen später als gewöhnlich. Jetzt würden die ersten Frühsorten geerntet, sagte Görgens. Erst dann lässt sich auch mit Gewissheit sagen, ob zusätzlich zum schlechten Wetter ein Schädling den Apfelbauern zusetzt: die Apfelwanze. Etwa zehn Prozent der Ernte hat die Apfelwanze an der Niederelbe befallen.

Ob die Verbraucher die geringere Ernte mit höheren Preisen bezahlen müssen, ist laut Görgens noch unklar. Das hänge auch davon ab, wie voll die Bäume im Rest Europas hängen. In ganz Europa würden mehr als zehn Millionen Tonnen Äpfel geerntet.

von Vera Jansen und Karl Doeleke

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