Straußenzucht

Dumm und neugierig, aber sehr schmackhaft

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Zu Besuch auf der Straussenfarm in Thedinghausen bei Iris und Jan-Albert Haake

Thedinghausen - Seit vier Jahren hält Familie Haake in der Nähe von Nienburg Straußenvögel – doch die Aufzucht ist schwierig. Umgebungswechsel können sie nicht vertragen, und auch keine Kälte. Bis jetzt schreibt der Hof keine schwarzen Zahlen.

Gerade erst sind vier Küken auf „Werders Straußenfarm“ geschlüpft. Eines kann so eben stehen, die anderen drei liegen noch matt unter einer Wärmelampe. Iris und Jan-Albert Haake sind stolz auf den Nachwuchs, sie haben ihn selbst gezüchtet und die Eier in einem Brutschrank ausgebrütet. Aber ihre Erfolgsquote ist schlecht, von zehn gelegten Eiern sind nur vier Küken geschlüpft. „Das ist ganz ärgerlich für uns diese Saison“, sagt Jan-Albert Haake.

Dem 24-Jährigen gehört der Bauernhof, er hat ihn schon mit 13 Jahren geerbt. Lange Zeit wurde er verpachtet, bis er und seine Mutter vor vier Jahren beschlossen, eine Straußenfarm aufzubauen. „Für einen Milchbetrieb oder Viehzucht ist der Hof zu klein“, sagt Iris Haake. Aber dass es so schwierig würde mit der Aufzucht der stressempfindlichen Tiere, das hatten die beiden nicht erwartet.

Zwei Zuchtgruppen haben Mutter und Sohn, die beiden Hähne haben sie Hercules und Rambo genannt. Hercules ist erst seit Kurzem Zuchthahn, sein Vorgänger hatte sich ein Bein gebrochen. „Er und die Hennen müssen sich erst mal kennenlernen, bisher legen sie noch nicht so gut“, sagt Iris Haake. Die befruchteten Eier kommen dann für rund 40 Tage in einen Brutschrank. Doch die alten Maschinen laufen nicht richtig. „Anders kann ich mir nicht erklären, dass nur wenige Küken schlüpfen“, sagt Jan-Albert Haake.

„Dumm und neugierig“

Und dann erfordert die Aufzucht der Jungtiere viel Geduld. „Die Tiere sind dumm und neugierig“, sagt Iris Haake. Umgebungswechsel können sie nicht vertragen, und auch keine Kälte. Temperaturen um 25 Grad sind für die Jungtiere ideal. Sie haben einen separaten Raum für die ersten Wochen, dort leben sie auf kuscheligen Decken und bei eingeschalteter Musik. „Die Tiere brauchen sehr viel Aufmerksamkeit, aber wir können nicht immer da sein“, sagt Iris Haake. Deshalb läuft ständig Musik, dann hören die Tiere wenigstens Geräusche.

Im Moment haben Mutter und Sohn insgesamt 33 Straußenvögel, eineinhalb Jahre lang werden sie hochgepäppelt und dann geschlachtet. „Die Tiere sollen es bei uns gut haben, aber es muss sich auch wirtschaftlich rechnen“, sagt Iris Haake. Bis jetzt schreibt der Hof keine schwarzen Zahlen. Jan-Albert-Haake, gelernter Kfz-Mechaniker, arbeitet in den Wintermonaten, wenn auf dem Hof wenig zu tun ist, bei einer Gasfirma. Seine Mutter ist halbtags bei einem Zahnarzt beschäftigt, nachmittags und am Wochenende kümmert sie sich um den Hofverkauf und das angeschlossene Café.

Knapp 40 Euro kostet ein Kilogramm Straußenfilet. Das ist teuer, aber das Fleisch sei auch besonders gesund. „Es ist fettarm, kalorienarm und proteinreich“, sagt Iris Haake. Im vergangenen Jahr ist der Preis für das edle Fleisch in die Höhe geschnellt – denn in der Heimat der Vögel, in Südafrika, grassiert die Vogelgrippe.

Gesteigerte Nachfrage

Seit 2011 ist der Import von südafrikanischem Straußenfleisch deshalb verboten. Viele Gastronomen, die sonst das günstigere afrikanische Fleisch gekauft haben, beziehen ihre Ware seitdem von den deutschen Farmen – und die gesteigerte Nachfrage schraubt den Preis nach oben. Auf „Werders Straußenfarm“ wird nicht nur Filet verkauft, es gibt auch Salami, Schinken, Leberwurst und Bratwurst. Aus dem Leder der Vögel werden Portemonnaies oder Schlüsselanhänger gefertigt, die Federn werden als Wedel angeboten und aus den Eierschalen Lampen gebastelt.

Nur wenige Landwirte züchten Exoten

Bundesweit gibt es rund 120 Straußenfarmen. In Niedersachsen sind es verhältnismäßig wenig, das Agrarland zählt nur sieben Höfe. Der Großteil der Farmen liegt in Ostdeutschland und Bayern.

„Die neuen Bundesländer und Bayern sind offener gegenüber der Straußenzucht“, begründet der Präsident des Bundesverbands Deutscher Straußenzüchter, Ralph Schumacher. Denn die Auflagen für die Züchter werden auf Landesebene gemacht. In den neunziger Jahren erlebte die Straußenzucht einen großen Boom. Zu der Zeit versuchten rund 400 Züchter in Deutschland mit den afrikanischen Vögeln ihr Glück. Aber viele scheiterten. „Die Straußenzucht barg mehr Schwierigkeiten, als viele vermutet hätten“, sagt Schuhmacher. Seit kurzer Zeit erlebt sie nun wieder ein kleines Hoch. Wegen der guten Fleischpreise versuchen wieder mehr Landwirte, auf Straußenzucht umzusatteln. Unweit von Thedinhausen - in Marklohe - und in Duxen gibt es auch Straußenfarmen.

Aber die Einnahmen aus dem Verkauf reichen trotzdem nicht aus. Deshalb geben die Haakes Führungen über den Hof und verdienen sich so ein kleines Zubrot. „In Zukunft brauchen wir aber einen größeren Bruterfolg“, sagt Jan-Albert Haake. Und wenn der Hof irgendwann richtig gut laufe, könnte er sich auch vorstellen, den Beruf sein Leben lang zu machen.

Anne Grüneberg

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