Professor schwimmt von der Quelle bis zur Mündung

Ab durch den Rhein!

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Respekt vor dem Rhein: Professor Andreas Fath muss auf den 1231 Kilometern unter anderem durch den Bodensee schwimmen.

Furtwangen - Um Sponsoren für seine Fakultät zu gewinnen, hat sich der Chemie-Professor Andreas Fath eine besondere Werbeaktion einfallen lassen: Er will den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwimmen.

Furtwangen. Erst, als Andreas Fath seinen Neoprenanzug überstreift und ins kühle Rheinwasser springt, scheint die Hektik von ihm abzufallen. Eben noch klingelte sein Handy, er antwortete auf SMS, erzählte nebenbei von seinem anstehenden Projekt: „Ich bin der Lachs, der guckt, ob er bis nach Rotterdam kommt“, sagt der 49-Jährige bei einem Treffen im badischen Kehl am Rhein. Ab Montag will er den Fluss entlangschwimmen und von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in den Niederlanden exakt 1231 Kilometer hinter sich bringen. Und das, obwohl er als Chemie-Professor und dreifacher Vater genug um die Ohren hat.

„Verrückt eigentlich. Ich würde das nicht machen“, habe Fath noch vor sieben Jahren gesagt, als er beim Zürichsee-Schwimmen mitmachte. Während damals einige Teilnehmer die lange Strecke von mehr als 26 Kilometern zurücklegten, schwamm er mit Freunden die Staffel. „Das ganze Jahr hat es mich beschäftigt, dass man die Strecke auch alleine schaffen kann“, erinnert sich Fath. Auf den letzten Drücker habe er sich dann für das Marathonschwimmen im Folgejahr 2008 angemeldet. „Und festgestellt, dass man im Wasser reisen kann.“ Wettkampf- oder Rekordgedanken sind es diesmal nicht, die den leistungsorientierten, aber zurückhaltenden Mann antreiben, sich rund vier Wochen zwischen Fischen, Felsen im Wildwasser und krautigen Algen bewegen zu wollen.

„Ein Auslöser war die Finanzsituation an der Hochschule“, berichtet Fath. Seit 2011 ist er Professor für Physikalische Chemie und Analytik an der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg. Seinen Fachbereich voranbringen - das ist eine Herzensangelegenheit des Chemikers. Um ein Analysegroßgerät anzuschaffen, fehlen jedoch die Mittel. Faths „real life project“ soll Sponsoren aufmerksam machen und Geld in die Hochschulkasse bringen. Es geht immerhin um 100 000 Euro. Dafür hat der Chemie-Professor sein Vorhaben zusammen mit einem großen Team bis ins Detail vorbereitet. Auf der Tour wird er von bis zu 20 Unterstützern begleitet. Und Fath vermarktet sich und seine Idee auch professionell.

Fundraising, Sponsoring und Marketing - das sind längst keine Fremdwörter mehr im Wissenschaftsbetrieb. Aufgrund der knapp bemessenen Grundfinanzierung überlegen sich auch andere Hochschulen Strategien, um an alternative Geldquellen zu kommen. Allerdings dürfte keine Aktion so waghalsig sein wie Faths Vorhaben: Um sein Ziel in 25 Etappen zu erreichen, trainierte der Extremsportler am Rande des Uni-Betriebs täglich ein bis zwei Stunden im Freibad in der Kleinstadt Haslach im Kinzigtal (Schwarzwald), wo er mit seiner Familie wohnt. Die hat Verständnis: Faths Söhne bestreiten ebenfalls Wettkämpfe, seine Frau lernte der Chemiker beim Schwimmen kennen.

Trotz seiner langjährigen Erfahrung hat Fath aber Respekt vor dem Rhein: „Der Vorderrhein mit vielen Felsen im Wasser bereitet mir Kopfzerbrechen. Der Bodensee ist mit einer Strecke von 40 Kilometern eine sportliche Herausforderung.“ Außerdem lasse sich nicht vorhersehen, „wie das Wetter sein wird oder ob sich im Rhein ein Tanker quer stellt“.

Dabei will Fath neben der sportlichen Herausforderung im Rhein auch noch forschen, schließlich ist er Wissenschaftler.Gemeinsam mit einigen Studenten in seinem Team will er auf der Tour täglich Wasserproben entnehmen, um sie etwa auf Hormone, Drogen und Schwermetalle zu untersuchen. Schließlich habe der Chemiker als Student selbst erlebt, dass er sich Dinge am besten merken könne, die er sich nicht kurzfristig einverleiben müsse: „Die geistige Erkenntnis bleibt nur, wenn sie auch mit Emotionen verbunden ist.“

Nach einem Jahr der Vorbereitung sagte er: „Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht.“ Der Mann ist offensichtlich auch zuversichtlich, dass er die Herausforderung bewältigt. Für Mitte November plant Fath bereits, erste Ergebnisse seiner Rhein-Reise auf einem Symposium vorzustellen. Vielleicht sogar schon mit dem Analysegroßgerät.

dpa

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