Empörung in der Hansestadt

Dutzende Nazi-Schmierereien in Salzwedel

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Eine Hauswand in Salzwedel ist mit Naziparolen beschmiert. Unbekannte hatten über die Innenstadt verteilt Hakenkreuze und Naziparolen auf viele Hauswände geschmiert.

Salzwedel - Dutzende Hakenkreuze, SS-Runen und Nazi-Parolen mitten in der Altstadt-Idylle vonSalzwedel. Die Hansestadt im Norden Sachsen-Anhalts ist in Aufregung. Wer waren die Täter?

Die idyllische Altstadt von Salzwedel bietet ein erschreckendes Bild. An Hauswänden, Fenstern und auf Autos prangen Dutzende Hakenkreuze, SS-Runen und Nazi-Parolen in roter, grüner und schwarzer Farbe. Überall im Zentrum der 750 Jahre alten Hansestadt im Norden Sachsen-Anhalts haben die Täter ihre Spuren hinterlassen. Selbst vor einer Gedenktafel für jüdisches Leben schreckten die Täter in der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit nicht zurück. Die Polizei zählt am Freitag insgesamt mehr als 100 Nazi-Schmierereien. Viele Bewohner der 25.000-Einwohner-Stadt sind empört.

„Das ist furchtbar“, sagt die 74 Jahre alte Margarete Hein. „Es erinnert an die Nazi-Zeit. Das wollte ich nicht mehr erleben.“ Man müsse sich schämen, dass Salzwedel - seit 150 Jahren berühmt für seinen Baumkuchen - ausgerechnet mit so etwas ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung rücke. „Diese Bilder hätte es nie geben sollen“, sagt Hein. Bislang fehlt von den Tätern jede Spur. Die Stadt versucht nun mit Hochdruck, die Nazi-Parolen wieder zu entfernen. Denn an diesem Wochenende werden Tausende Besucher zu einem bereits aus dem 14. Jahrhundert stammenden Stadtfest erwartet.

Doch warum ausgerechnet Salzwedel? Die Region gilt nicht als Hochburg des Rechtsextremismus. Laut Verfassungsschutz gibt es in der Altmark rund 120 bis 130 aktive Rechtsextremisten. Die Behörde spricht von einer lose strukturierten Szene. Politische Aktionen gebe es kaum. Auch rechtsextreme Parteien spielen kaum eine Rolle. Bei der Bundestagswahl erreichte die NPD im Wahlkreis Altmark wie auch vier Jahre zuvor 2,1 Prozent - in ganz Sachsen-Anhalt waren es mit 2,2 Prozent etwas mehr, bundesweit mit 1,3 Prozent etwas weniger. Und auch die Arbeitslosigkeit ist in der an Niedersachsen angrenzenden Region im Vergleich zum ganzen Bundesland eher niedrig.

Gleichwohl hat Salzwedel einen nicht durchgängig glänzenden Ruf. Zumindest hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Medienberichten bei einem Wahlkampfauftritt in Baden-Württemberg 2011 erklärt, Salzwedel habe zwar einen Bahnhof, aber den Anschluss verpasst. Dafür hat sie sich inzwischen entschuldigt. Bei einem Besuch im April sagte sie: „Ich wollte alles, nur nicht die Salzwedeler in irgendeiner Weise beleidigen“, sagte Merkel. Sie habe nur darüber gesprochen, wie sich die Handelswege über die Jahrhunderte verändert hätten.

Für die Landespolitik in Magdeburg bedeuten die Schmierereien einen immensen Schaden. Mit großem Aufwand versucht das Land sich als eine weltoffene, moderne Region darzustellen - damit die hohe Abwanderung zurückgeht und Menschen aus anderen Ländern kommen. Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) nennt die Nazi-Parolen unerträglich. Die Taten müssten konsequent aufgeklärt werden, verlangt er. Und „es muss deutlich werden, dass eine mit krimineller Energie ausgestattete Handvoll Neonazis nicht mit den Bürgerinnen und Bürgern von Sachsen-Anhalt gleichzusetzen sind“.

dpa

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