Urlaubsorte in Niedersachsen

Ebbe bei den Arbeitskräften

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Foto: Tagsüber kann es eng werden: Am Hauptstrand von Wangerooge stehen die Strandkörbe dicht an dicht.

Hannover - Hotels und Gastronomen an der Nordseeküste und auf den Inseln suchen händeringend nach Personal – mittlerweile auch im Ausland.

In niedersächsischen Urlaubsorten herrscht ein massiver Mangel an Fachkräften. Hoteliers und Gastronomen von der Nordseeküste und den Inseln klagen über zu wenig Personal; vor allem Köche, Hotelfachfrauen und Servicekräfte sind rar. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von einer „sehr zugespitzten Situation“.

Schon seit Jahren leidet die Branche an einem zu geringen Angebot auf dem Arbeitsmarkt. „Aber in diesem Jahr herrscht besonders großer Mangel“, sagt Jürgen Garrels, Vorsitzender des Dehoga-Bezirksverbands Ostfriesland. „Und wir fürchten, dass das erst der Anfang einer weiteren Negativentwicklung ist.“ Dass sich das Problem so extrem und schnell verschärfe, „hat keiner von uns erwartet“. Einzelne Hotels und Restaurants müssten schon Abstriche beim Service machen.

„Manche können ihre Leistungen nicht mehr zu 100 Prozent anbieten“, erklärt Garrels. So müssten manche Gastronomien in den Nachmittagsstunden schließen. „Einfach, weil das Personal fehlt.“ Hotels und Gastronomen versuchen deshalb händeringend, ausländische Fachkräfte anzuwerben, um die Arbeitsplätze zu besetzen. „Häufig scheitert das aber an fehlenden Deutschkenntnissen“, sagt Garrels. Diese seien in den Serviceberufen unerlässlich. Vor allem Spanier, Rumänen und Bulgaren kämen zurzeit auf die Inseln.

333 Stellen waren in der Junistatistik der Bundesagentur für Arbeit Emden-Leer im Gastgewerbe noch offen. Diese Branche gehöre nun einmal nicht zu den attraktivsten, sagt der Sprecher der Behörde, Volker Pretzer. Und das, obwohl viele Arbeitgeber auf den Inseln Löhne über Tarif bezahlen. Die Löcher seien nicht mehr so einfach zu stopfen wie noch vor ein paar Jahren. „Osteuropäische Arbeitskräfte sind mittlerweile sehr flexibel und bereisen ganz Westeuropa“, sagt Pretzer. Sie suchten sich die Orte mit den besten Möglichkeiten aus. „Da ist keiner auf die Ostfriesischen Inseln angewiesen.“

Zudem mangelt es der Branche an Nachwuchs. „Etwa ein Drittel der Azubis bricht die Ausbildung im Hotel- und Gaststättenwesen ab“, berichtet der Arbeitsmarktexperte. Es herrsche ein riesiger Verdrängungswettbewerb. „In Konkurrenz stehen zahlreiche Berufe, die eine viel höhere Attraktivität genießen“, sagt Pretzer. Ziel müsse es sein, die Ausbildungssituation so zu gestalten, dass die Berufsfelder attraktiver werden.

„Das Problem an den Urlaubsorten ist auch, dass die Arbeit stark von der Saison abhängt“, sagt Erich Meyer, Teamleiter Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit in Emden-Leer. Ein guter Koch etwa finde auch an anderen Orten eine Anstellung, wo er das ganze Jahr arbeiten könne. „Die Probleme werden sich wegen des demografischen Wandels noch verschärfen“, betont Meyer.

Ein weitere große Herausforderung ist die Unterbringung der Saisonarbeitskräfte auf den Inseln. „Selbst wenn wir genug Arbeitskräfte hätten, wäre es schwierig, ihnen eine Unterkunft anzubieten“, sagt Carolin Ruh, Geschäftsführerin beim Tourismus Marketing Niedersachsen (TMN). „Bei den Mitarbeiterwohnungen eine Lösung zu finden wäre sehr wichtig.“

Denn die touristische Nachfrage sei nach wie vor hoch. Unter anderem mit der Industrie- und Handelskammer und der Agentur für Arbeit gebe es Kooperationen, um Fachkräfte zu gewinnen, sagt Ruh. Jürgen Garrels vom Dehoga hält die Schwierigkeiten „zum Teil für hausgemacht“. Er sieht die Hotels und Gastrobetriebe in der Pflicht. „Sie müssen sich überlegen, wie die Arbeitszeiten moderater, die Löhne besser und das ganze Umfeld für die Mitarbeiter attraktiver wird.“

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