Kriegsgräber

Mit der Axt ans Ehrenmal

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Unbekannte haben das Holzkreuz am Soldatengrab in Gartow umgelegt und seine Inschrift zerkratzt.

Gartow - Unbekannte haben das Holzkreuz am Soldatengrab in Gartow umgelegt und seine Inschrift zerkratzt. Bereits im vergangenen Jahr hat der Ehrenhain für Gesprächsstoff gesorgt: Weil dort im Wege der Umbettung 13 ehemalige Zwangsarbeiter neben Wehrmachtssoldaten beigesetzt worden waren.

Seit Monaten brütete eine Kommission darüber, was künftig mit einem großen Holzkreuz geschehen soll, das einen umstrittenen Ehrenhain für gefallene Wehrmachtssoldaten markierte. Um die Osternacht herum haben unbekannte Täter selbst Hand an das 4,10 Meter hohe und gut zwei Meter breite Holzkreuz angelegt. Sie legten es einfach um und zerkratzten die Inschrift, wie Kai Richter von der zuständigen Polizeiinspektion der HAZ bestätigte: „Wir betreiben ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe.“

Der sogenannte Ehrenhain für 50 gefallene Wehrmachtssoldaten sorgte im vergangenen Jahr landesweit für Gesprächsstoff. Da machte der wendländische Regionalhistoriker Rolf Meyer bekannt, dass im Zuge einer Umbettung neben den toten Wehrmachtssoldaten auch Opfer des NS-Regimes beigesetzt worden waren - 13 ehemalige Zwangsarbeiter. Zynisch wirkte in diesem Zusammenhang der Spruch, der für die toten Soldaten ins Holzkreuz geschnitzt worden war: „Euer Opfergang heißt Ehr und Ruhm. Unser Opferdank ein Heiligtum.“

Eine Kommission sollte klären, wie man künftig mit dem Ehrenhain umgehen könnte, an dem jetzt Täter und Opfer nebeneinanderlagen. „Wir waren kurz vor Abschluss, das Holzkreuz sollte abgebaut und durch ein neues ersetzt werden“, berichtet der Gartower Gemeindedirektor Friedrich-Wilhelm Schröder. Das alte Kreuz sollte einer örtlichen Künstlergruppe übergeben werden. „Wir sind erbost über diese Aktion, die auch einen Grabfrevel darstellt“, sagt Schröder. Wie die Gemeinde mit der neuen Situation umgehe, wisse er noch nicht.

„Wir sollten nach dieser Tat jetzt nicht einfach das alte Kreuz verschwinden, sondern durch eine Künstlergruppe bearbeiten lassen und es wieder aufstellen“, findet Historiker Meyer. Denn auch die Abholzaktion gehöre zur wechselvollen Geschichte des Ehrenhaines.

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