Jubiläum in Hildesheim

Eine Domstadt wird 1200

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Stephan Weil (2 v. li.) bläst gemeinsam mit Oberbürgermeister Ingo Meyer (v.li.), Sparkassen-Chef Peter Block, Bischof Norbert Trelle und Festorganisator Hartwig Kemmerer die Geburtstagstorte für Hildesheim aus.

Hildesheim - Hildesheim, die alte Domstadt feiert dieses Jahr 1200 Jahre Geschichte – und das mit ganz viel Kultur. „1200, so eine hohe Jubiläumszahl habe ich in meiner Ministerpräsidentenzeit noch nicht erlebt“, gratulierte Ministerpräsident Stephan Weil in seiner Festrede.

Der rote Teppich führt direkt ins respektable Theater. Draußen spielt das „Liebesgrund“-Quartett, laufen „Walk Acts“ durch die Menge und brutzeln Würste, drinnen im Theater schauen die wartenden Ehrengäste auf vier goldene Ziffern, die unterm Theaterhimmel hängen: 1200. Hildesheim war mal eine echte Metropole, wo spätere deutsche Kaiser auf die Domschule gingen. Heute ist sie eine Kleinstadt mit um die 100.000 Einwohnern. Aber immerhin 1200 Jahre alt.

Das feiern die Hildesheimer jetzt, laut, nachdenklich, und manchmal auch nur albern, wie Moderatorin Nele Kießling mit teilweise unterirdisch flachen Einwürfen bewies. Zum Festakt mit Beethoven und Festtorte kam am Sonnabendabend auch ein prominenter Hannoveraner in die Domstadt, um mit den Hildesheimern zu feiern – Ministerpräsident Stephan Weil. „1200, so eine hohe Jubiläumszahl habe ich in meiner Ministerpräsidentenzeit noch nicht erlebt“, meinte der Herr aus Hannover, der demnächst hier auch das völlig neu konzipierte Dommuseum miteröffnen will.

In Hildesheim ist vor 1200 Jahren auch das Bistum gegründet worden und hat damit, quasi nebenbei, der Stadtgründung sein amtliches Siegel aufgedrückt. Deshalb lief auch mit Norbert Trelle ein leibhaftiger katholischer Bischof in vollem Ornat über den roten Teppich ins Theater und glänzte mit humorigen Bemerkungen zum Jubiläumsjahr. Zum Jubeljahr (hebräisch: schenat hajobel) gehöre auch ein Schuldenerlass, sagte Trelle an die Adresse Weils. Doch der konnte der schuldengeplagten Stadt in dieser Hinsicht keine neuen Versprechungen machen.

Aber die Stadt lebt, immer im Schatten der größeren Nachbarin Hannover, auch auf Pump ganz gut. Sie leistet sich sogar ein Sinfonieorchester und eine Oper (mit dem Theater für Niedersachsen) sowie eine lebhafte freie Kulturszene, die das Jubiläumsjahr schmückt.

„Wir erleben in diesem Jahr 300 Einzelveranstaltungen, die meisten barrierefrei“, jubilierte Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer im Rahmen seiner Möglichkeiten – und dankte dem Rat für seine „Anschubfinanzierung“ von 800.000 Euro und den vielen Sponsoren und Ehrenamtlichen für ihr gutes Tun.

In einer Revue führten die Hildesheimer vor, was die Gäste so alles erwartet neben dem „Tag der Niedersachsen“. Etwa einen aufblasbaren Dom, den das Forum Heersum in seinem Stück „Im Namen der Rose“ in die Landschaft schleudert. Ein Unikum dürfte auch der Hildesheimer ­„Beschwerdechor“ sein, der nicht nur das Thema verrotteter Straßen mit Witz und Wucht auf die Bühne bringt, sondern auch die Hindernisse, die Menschen mit Handicaps meistern müssen. Zum Schluss ließen die an diesem Abend verdammt lustigen Hildesheimer sogar Hildegard Knef auferstehen. Und was sang die Diva (in Gestalt des Schauspielers Jens Krause) in der Rosenstadt? Genau: „Für Dich soll’s rote Rosen regnen...“

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