Unterwegs an der Seine

Eine dreidimensionale Tour durch Paris

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Hier wächst der Eifelturm: Szene aus dem virtuellen Stadtrundgang auf paris.3ds.com.

Paris - Unterwegs an der Seine: Die „Paris 3D Saga“ ermöglicht einen dreidimensionalen Rundgang durch die Geschichte der Stadt. Schwindelfrei sollte der virtuelle Besucher sein, so echt wirkt die Darstellung beim neuen Projekt.

Am Anfang ist da eine Insel, umschlossen von zwei Armen des Flusses Seine. „Lutetia“ heißt die Siedlung, aus der sich hier ab Mitte des dritten Jahrhunderts vor Christus eine Stadt entwickelt. Klick – inzwischen ist frühes Mittelalter. Die Stadt heißt Paris. Auf der Insel, auf der alles begann, entsteht Mitte des zwölften Jahrhunderts die erste gotische Kathedrale der Welt, Notre Dame. Klick – und weiter, Paris im Frühjahr 1889. Rechtzeitig zur Weltausstellung wird ein beeindruckendes Eisenmonument fertig gestellt, benannt nach seinem Architekten: der Eiffelturm.

Schwindelfrei sollte der virtuelle Besucher sein, so echt wirkt die Darstellung beim neuen Projekt „Paris 3D Saga“, das das französische Software-Entwicklungsunternehmen Dassault Systèmes gemeinsam mit dem auf die Stadtgeschichte spezialisierten Carnavalet-Museum und den TV-Anstalten CanalSat und Planète+ entwickelt hat. Anhand von alten Stadtplänen und –Zeichnungen und archäologischen Funden werden Schlüsselepochen der Stadt von ihrer Entstehung bis zur Gegenwart in 3D-Technologie präsentiert. Die interaktive Tour durch Raum und Zeit können Paris-Fans unter http://paris.3ds.com im Internet.Browser starten. Außerdem gibt es eine kostenlose iPad-App, ein Buch und ein Dokumentarfilm dokumentieren in elf Sprachen die Entstehung des Projekts. Künftig soll der virtuelle 360-Grad-Rundgang auch in Schulen und Universitäten eingesetzt werden.

Bei „Paris 3D Saga“ handle es sich schließlich nicht nur um eine nette Spielerei, sondern um einen wissenschaftlichen wie technologisch innovativen Beitrag für ein neues Geschichtserlebnis, erklärt Mehdi Tayoubi, Vize-Leiter für digitale und experimentelle Strategie bei Dassault Systèmes. Paris sei so detailgetreu wie möglich nachgebildet. „Wir wollten eine Hommage an Paris machen“, sagt Tayoubi. Ideen für weitere virtuelle Rundgänge auch durch andere Metropole gibt es aber bereits.

Manchmal habe er bei der Arbeit an dem Projekt einen Schock erlebt, gesteht Jean-Marc Léri, Direktor des historischen Carnavalet-Museums: Das Bastille-Gefängnis, dessen Stürmung durch den wütenden Mob am 14. Juli 1789 als Ausgangsmoment der Französischen Revolution gilt, sei kein großes Gebäude gewesen, wie auf Gemälden oft abgebildet: „Nein, es handelte sich um eine ziemlich kleine Festung mit nur sieben Häftlingen und ohne Soldaten – sie zu erobern war ganz einfach!“ Ein ähnliches Aha-Erlebnis hatte Léri, als er den frühen Louvre sah, der im 16. Jahrhundert noch nicht als Museum, sondern als Königsitz diente, und der wie ein von Walt Disney gestaltetes Märchenschloss ausgesehen habe.

Wie ein Tourist mit übernatürlichen Kräften ließe sich die französische Hauptstadt besichtigen, werben die Macher des Projektes. So lässt sich auch mitverfolgen, wie innerhalb von nur einem Jahr durch die unermüdliche Arbeit von 150 Spezialisten Schritt für Schritt der Eiffelturm entstand.

Birgit Holzer

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