Historische Laster

Eine letzte Überlandfahrt

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Sittensen - 220 Kilometer Strecke, 40 historische Fahrzeuge, ein 1,5 Kilometer langer Konvoi – ein seltsamer Tross macht sich am Sonntag auf den Weg einmal quer durch Niedersachsen. Die Fahrzeuge aus dem Mobilen Fahrzeugmuseum in Sittensen werden nach Einbeck verlegt.

Zugmaschinen, Kipper, Busse, Feuerwehrautos und andere Lastwagen aus dem Mobilen Fahrzeugmuseum Sittensen im Kreis Rotenburg werden dann in den PS-Speicher gebracht, ein Fahrzeugmuseum in Einbeck (Kreis Göttingen). Es sind Autos von Herstellern mit so klangvollen Namen wie Büssing, Faun, Hanomag, Henschel, Kaelble oder Krupp. Viele der alten Fahrzeuge hat man lange nicht mehr auf der Straße gesehen, aber sie sind noch fahrtüchtig. „Sie in einem Konvoi zu überführen war deshalb der einfachste Weg“, sagt Alexander Kloss, Sprecher des PS-Speichers. Er übernimmt die gesamte etwa 120 Fahrzeuge umfassende historische Sammlung aus Sittensen.

Der Umzug hat allerdings nicht nur einen praktischen Hintergrund. „Der Korso ist eine große Gedächtnisfahrt für Emil Bölling“, sagt Karl-Heinz Rehkopf, der mit seiner Stiftung den Kauf und die Überführung durch maßgebliche Finanzierung erst möglich gemacht hatte. Der im Februar überraschend verstorbene Bölling hatte die Sammlung der Fahrzeuge im Mobilen Fahrzeugmuseum nach und nach aufgebaut und sich bis zu seinem Tod um sie gekümmert. Er sorgte auch dafür, dass die Laster gewartet wurden und immer fahrbereit waren. „Zum Schluss hat er sogar in der Sammlung gelebt und geschlafen“, sagt Kloss.

Am Sonntagmorgen um 8 Uhr soll sich der Korso in Sittensen in Bewegung setzen. Die Route führt vorwiegend über Landstraßen. 70 Lkw-Fahrer werden die alten Mobile auf einer Route über Scheeßel, Rotenburg, Verden, Nienburg, Neustadt, Hannover, Elze und Alfeld nach Einbeck bringen. Etwa zehn Stunden sind für die Fahrt eingeplant, denn das langsamste Gefährt, das den Zug anführen wird, ist nur etwa 40 km/h schnell.

Zwischendurch muss zudem getankt werden – denn umweltschonend sind die zwischen 1930 und 1970 gebauten Autos nicht unbedingt. „Der durstigste frisst 60 Liter auf 100 Kilometer“, sagt Kloss. Begleitet wird der Zug teilweise von der Polizei, ganz am Ende fährt ein Besenwagen. „Mit Lkw ist es wie mit alten Menschen, die werden irgendwann vielleicht undicht“, so Kloss. Damit niemand durch auslaufendes Öl zu Schaden kommt, wird es durch den Besenwagen gleich abgebunden.

In Sittensen sieht man den Umzug mit ein wenig Wehmut. „Jedes Fahrzeug hat seine Besonderheiten“, erzählt Willi Schröder, der in den vergangenen Jahren mithalf, die historischen Autos zu warten. Nicht immer eine leichte Aufgabe, denn für einige der Fahrzeuge, vor allem die Vorkriegsmodelle, gibt es keine Ersatzteile. „Da muss man improvisieren“, sagt Schröder. Er wird ebenfalls einen der Lkw fahren: Den Henschel, denn der sei nicht einfach zu steuern. Immerhin: Die Sammlung bleibt in Niedersachsen und wurde nicht, wie zunächst befürchtet, in Einzelteile aufgesplittet und ins Ausland verkauft, meint der 63-jährige Rentner. „Besser geht es eigentlich gar nicht.“

Wer sich die Fahrzeuge ansehen will, kann den Zug begleiten. Man freue sich über Zuschauer, so Kloss. Und in Hannover wird der historische Konvoi einen extra Zwischenstopp einlegen. Gegen 15 Uhr soll das erste Fahrzeug durch das Haupttor auf das Hanomag-Gelände fahren. Wer nicht live dabei sein kann, für den gibt es aber auch eine andere Möglichkeit, das Spektakel mitzuverfolgen: den Kurznachrichtendienst Twitter.

Unter dem Hashtag #LKWKorso will der PS-Speicher den Zug auf Twitter im Internet begleiten.

Sabine Gurol

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