Wettbewerb

Eine neue Hymne für die Schweiz

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„Betet, freie Schweizer, betet!“: Die Hymne der Eidgenossen, die zum Jubiläum mit Briefmarken gewürdigt wurde, steht zur Diskussion.

Zürich - Der „Schweizerpsalm“ ist erst seit 1961 Hymne der Eidgenossen – und soll nun einem modernen Lied weichen. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) hat jetzt einen Wettbewerb ausgerufen, dem Land bis 2015 eine neue Hymne zu geben.

Die niederländische Nationalhymne wird seit 450 Jahren gesungen. Die Schweizer hingegen gibt es erst seit 1841; offizielles Lied der Eidgenossen wurde es sogar erst 1961. Und doch finden manche Schweizer, es sei „angejahrt“. Und so hat die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) jetzt einen Wettbewerb ausgerufen, dem Land bis 2015 eine neue Hymne zu geben. Sprachlich sperrig sei der „Schweizerpsalm“, er bilde zudem nicht das Land „in seiner politischen und kulturellen Vielfalt“ ab, bemängelt die SGG. Der Text des Zisterziensermönches Alberich Zwyssig sei schwülstig, „ein Trauermarsch“ – „wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!“ steht da unter anderem geschrieben.

Die SGG regt an, sich im neuen Text auf die Schweizer Bundesverfassung zu beziehen. „Eine moderne Hymne soll die Werte Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit, Frieden und Offenheit betonen“, sagt SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger. Auch die aktuelle Melodie ist zur Veränderung freigegeben – eine Total­revision des nationalen Liedgutes also. Oskar Freysinger, Poet, Politiker der konservativen Schweizer Volkspartei und Mitglied der Hymnen-Jury, fordert: „Sie muss ins Ohr gehen, darf aber kein Globalisierungssong sein.“

Dass eine neue Hymne zu wenig eidgenössisch ausfallen könnte, ist bei der Oberaufsicht der SGG nicht zu befürchten: Der Verein, 1810 gegründet, ist besonders patriotisch. Er verwaltet die ­Rütliwiese am Vierwaldstättersee, den Ort, wo der Sage zufolge 1291 die Eidgenossenschaft begründet wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schweizer mit ihrem Lied hadern. Bis 1961 war das martialische „Rufst du, mein Vaterland!“ aus der Zeit der napoleonischen Kriege Hymne des Landes. „Vaterland, ewig frei, sei unser Feldgeschrei, Sieg oder Tod!“ heißt es da – und nicht wenige würden das Lied gern wieder bei offiziellen Anlässen hören. Doch da gab es schon früher ein Problem: Es wurde zur Melodie der britischen Hymne „God save the queen“ gesungen, und dies hatte bei internationalen Anlässen zu Missverständnissen geführt.

Leicht wird das Vorhaben für die SGG nicht. Bereits 2008 zur Fußballeuropameisterschaft in der Alpenrepublik regte ein „Aktionskomitee Schweizer Nationalhymne“ ein neues Lied an – vergeblich. Kurz zuvor kam aus der Politik der Wunsch nach einer Hymne mit nur einer Strophe, damit zum Singen nicht umfänglich auswendig gelernt werden muss. Auch dies verlief im Sande.

Und wenn die Textfindung zu kompliziert werden sollte, können sich die Schweizer an den Spaniern ein Beispiel nehmen. Die haben seit 1761 den „Königlichen Marsch“ – eine Hymne, die seit jeher ohne Text auskommt.

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