Unterricht im Container

Eine Schule zieht in den Container

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Foto: Außen schmucklos, innen liebevoll gestaltet: Die neuen Container-Klassenräume und das Lehrerzimmer der KGS Wittmund.

Wittmund - Zur Pause wird es in jeder Schule laut. Auf den Gängen der Kooperativen Gesamtschule (KGS) im ostfriesischen Wittmund ist es besonders laut. Die Schüler plappern, rufen, laufen hinaus. Das eigene Wort ist kaum noch zu hören.

Der Boden vibriert, als ein Pulk Kinder vorbeirennt. In den neuen Klassenräumen der KGS ist der Geräuschpegel fast unerträglich hoch. Denn ein Großteil der Wittmunder Schüler hat nach den Sommerferien sein Quartier in einer großen, weißen Containerstadt bezogen.

„Bei Sanierungsarbeiten am Dach ist eine Gasflasche explodiert“, berichtet Gymnasialzweigleiterin Birthe Flathmann und zeigt auf eine große Lücke zwischen zwei verklinkerten Gebäudeteilen. Dazwischen führen Treppen ins Leere. Das Hauptgebäude der Schule ist während der Ferien abgebrannt, die Anbauten sind wegen des Löschwassers stark beschädigt. Unberührt blieben nur die Räume der Oberstufe und die Gebäude der fünften und sechsten Klassen.

Doch der Unterricht muss weitergehen – auch nach dem Brand.In rund 170 Containern sind während der Ferien 23 Klassenräume, zwei Kunsträume, zwei Chemieräume und ein Lehrerzimmer entstanden. Dafür opferte die Schule einen ihrer beiden Sportplätze. „Das war die beste Lösung“, sagt Schulleiter Uwe Brauns. „Wir müssen eben zusammenrücken und Solidarität zeigen“, sagt er. Brauns versucht, Zuversicht zu zeigen. Schließlich werden 650 der 1600 Schüler für mindestens drei Jahre in den Containern lernen. Denn der Abriss des abgebrannten Hauptgebäudes ist noch nicht ganz vollendet. Bei den Anbauten muss erst geprüft werden, ob sie nach der Trocknung wieder bezogen werden können oder ebenfalls abgerissen werden müssen.

Die Schüler machen das Beste aus ihrer Situation und verschönern ihre Klassenräume: In der G7b hängen die Mädchen Bilder von Tieren an die weiße Wand neben der Tafel. Magneten befestigen die bunten Fotos. Die Container sind nur geliehen, und Nägel dürfen nicht in die Wände gehauen werden. Die Klasse G8c hat ihre schmucklosen Wände mit großen Landkarten und farbenfrohen Postern verziert. Hier erinnert nichts mehr an triste Zweckbauten – die sehen die Schüler nur, wenn sie aus der breiten Fensterfront auf die benachbarten Container schauen.

„Der Förderverein hat einen Preis gestiftet“, sagt Schulleiter Brauns. Den bekommt nach den Herbstferien die Klasse mit dem schönsten Raum. Die Spendenbereitschaft sei ohnehin sehr groß: Unternehmen schenken der Schule Geld. Jetzt stehen neue Bücher in den neuen Regalen, frisch aus einem schwedischen Möbelhaus geliefert.

Dünne Wände, schlechte Akustik und viele Menschen auf engem Raum vertragen sich nicht gut. „Wir müssen lauter reden und ansonsten viel stiller sein. Sonst versteht niemand etwas“, sagt Lehrerin Angela von Öhsen. Ideen, um den Krach weiter zu minimieren, fehlen auch nicht: Alle Klassen bekommen in den nächsten Tagen gelbe Tennisbälle. Die stecken die Schüler dann an die Stuhlbeine – ein perfekter Schalldämpfer beim Stühle-rücken.

Von Patricia Kutsch

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