BGH-Urteil

Tod einer Kurdin war kein „Ehrenmord"

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Karlsruhe - Eine junge Kurdin wird von ihrem Mann umgebracht - es sieht nach einem sogenannten Ehrenmord aus. Das Landgericht erkennt auf Totschlag im Affekt. Der BGH bestätigte dies jetzt.

Sie wollte sich scheiden lassen und das Kind behalten - und wurde von ihrem Mann umgebracht. Vieles deutete auf einen sogenannten Ehrenmord in der kurdischen Familie hin. Doch das war es nicht, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag. Die Richter bestätigten damit die Verurteilung ihres Ehemannes wegen Totschlags im Affekt.

Die Staatsanwaltschaft war gegen das Urteil des Landgerichts Osnabrück (Niedersachsen) in Revision gegangen. Sie wollte eine Verurteilung des Gatten wegen Mordes erreichen. Die junge Frau war 2008 eine arrangierte Ehe mit ihrem Cousin in der Türkei eingegangen. Sie lebte aber weiter in Deutschland, ihr Mann kam ein paar Jahre später illegal aus der Türkei nach.

Inzwischen hatte sich die Frau an den westlichen Lebensstil gewöhnt. Sie verlangte die Scheidung, wollte aber den gemeinsamen Sohn behalten. Ein paar Mal flüchtete sie vor ihrem Mann ins Frauenhaus, kehrte in das Haus ihres Bruders zurück und wurde dort vor zwei Jahren nach einem Ehestreit umgebracht.

Der Mann habe sie getötet, um die Familienehre wieder herzustellen, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Das Landgericht sah das 2013 nach 28 Verhandlungstagen anders und verurteilte den Mann zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags. Er habe seine Frau nach dem Streit im Affekt umgebracht. Den mitangeklagten Vater des Opfers sprach es aus Mangel an Beweisen frei.

Der BGH sah keine Rechtsfehler und wies die Revision ab. Das Urteil ist daher rechtskräftig.

Bei der BGH-Verkündung war auch die Familie des Opfers dabei. Der Vater - sichtlich gebrochen - und zwei weitere Männer nahmen das Urteil mit gemischten Gefühlen auf. „Die Strafen in Deutschland sind zu kurz“, sagte ein Bruder der Toten. „Schließlich haben wir unsere Schwester verloren.“ Aber er zeigte sich auch erleichtert, dass sein mittlerweile 73-jähriger Vater nicht ins Gefängnis muss.

Die Familie lebt jetzt an einem anderen Ort. Im emsländischen Dörpen habe sie nicht mehr bleiben können. Sie sei regelrecht verfolgt worden, erzählte ein Verwandter.

dpa

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