Viertägige Modemesse

„Einfach gut“ – Hien Le eröffnert Berliner Fashion Week

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Foto: Zum Auftakt der Berlin Fashion Week zeigen Models auch die neue Kollektion von Designer Hien Le.

Berlin - Promis, Models, Kollektionen:Mit Präsentationen des jungen Berliner Designers Hien Le und der österreichischen Modemacherin Lena Hoschek hat am Dienstag die 12. Berliner Modewoche begonnen. Die Berliner Fashion Week dauert bis Freitag, bis dahin werden auch zahlreiche junge Designer ihre neuen Kollektionen vorstellen. Diesmal könnten mehr als eine Viertelmillion Besucher kommen.

Hien Le steht im Backstage-Bereich und hält sich an seinem Handy fest. „Jetzt kann nichts mehr passieren, jetzt ist alles geritzt.“ Es ist 9.06 Uhr und der Designer wird sein Telefon in der nächsten Stunde nicht mehr aus der Hand legen. „Heute morgen um fünf habe ich die erste SMS bekommen“, sagt der 32-Jährige. Freunde hätten ihm geschrieben, dass sie die Daumen drücken, dass er durchhalten solle oder einfach „Toi, toi, toi“. Dabei hat er das eigentlich überhaupt nicht nötig. Hien Le – geboren in Laos, aufgewachsen in Berlin – wird als großes Talent gehandelt – am Dienstag eröffnete er mit seiner Schau die Berliner Fashion Week.

Um 10 Uhr geht es los, die Models haben nicht mehr viel Zeit. Schminken, Stylen, Anziehen, ein erster Probelauf auf dem Catwalk. Noch ziehen dort Putzfrauen seelenruhig Staubsauger über den Teppich. Auch die zehn Models im Back­stage-Bereich wirken tiefenentspannt – oder sind schlicht müde. Die meisten Männer verkriechen sich mit Stöpseln in den Ohren und hören Musik, die Frauen werden geschminkt, frisiert und manikürt. Le steht mittendrin und schaut auf sein Handy. Es gibt Kaffee und Wasser. Dazu: Salzstangen, Weingummis, Russisch Brot, Müsliriegel und Bananen. Der Glamour findet vor den Kulissen statt. Dahinter reihen sich jetzt die Models am Bühneneingang auf. Sie haben alle Nummern, Namen tragen nur die Outfits.

„Teng Teng“ oder „Melissa“ hat Le seine Herbst/Winter-Kreationen mit vielen Häkel-Elementen und Prints genannt. Die Töne: Nachtblau, Beige und viel Cremiges. „Für meine Verhältnisse ist die Kollektion sehr dunkel.“ Inspiriert haben ihn die Bilder des Malers Mark Rothko (1903–1970). Der Künstler war berühmt für seine abstrakte Farbfeldmalerei. Auch der Stil von Le wird meist mit den Worten schlicht, tragbar und minimalistisch beschrieben. „Die Zeit“ spricht von „neuer Berliner Sauberkeit“. Seine erste Kollektion auf der Fashion Week hatte Modekritiker an Wassily Kandinsky erinnert. Von der Kunst scheint sich Le also gern inspirieren zu lassen.

„Walk slow“, sagt ein Mann, der für die Choreografie der Schau verantwortlich ist. Zu Deutsch: Lauft langsam, im Takt des Songs. Die Amtssprache hinter den Kulissen ist Englisch.9.26 Uhr, Probelauf. Der Designer – schwarze Mütze, blauer Pulli, orange Turnschuhe – steht mit verschränkten Armen und ballettartig überkreuzten Füßen am Ende des Laufstegs. Aus den Boxen dröhnt leicht übersteuert Michael Jacksons „Who Is It?“, die Models laufen los. Le fixiert die jungen Männer und Frauen, noch tragen sie nicht seine Kleidung. Es geht um den Beat, den passenden Gang, eins, zwei, eins, zwei. Die weiblichen Models stöckeln auf hohen Hacken, ihre männlichen Kollegen tragen Turnschuhe – die in 30 Minuten durch flache Lederschuhe ersetzt werden.

Das Zelt ist in lila Licht getaucht, die Heizung bollert auf gefühlten 40 Grad Celsius. Le läuft noch immer mit Mütze herum. 9.41 Uhr, direkt hinter der Bühne fangen die Models an, ihre Outfits anzuziehen. Jeder Look wurde zuvor fotografiert und hängt vorne an der Kleiderstange. Ein Visagist zieht bei den Frauen Lippenstift und Wimperntusche nach. Die Haare sind eher unkompliziert: Streng und glatt zurückgekämmt. Passend zum zurückgenommen Stil von Hien Le. Der Designer zeigt keine Nerven, freundlich und mit leiser Stimme gibt er noch fix „Vogue-TV“ ein Interview.

9.51 Uhr, hinter dem Catwalk zupfen der Designer und seine Assistenten Blusen und Hosen zurecht, vorne suchen die ersten Gäste ihre Plätze. Die Familie von Le kommt in Mannschaftsstärke. Ganz vorne überprüfen Mode-Blogger ihre Handykameras. Michael Jackson fängt an zu singen ... „I gave her money, I gave her time.“Knapp zwei Stunden später stellt die erste Bloggerin ihr abschließendes Urteil über Hien Les tragbare und dennoch elegante Entwürfe online: „Ein makelloser, harmonischer Stil, sachlich und sogar ­bürotauglich, jedoch auch etwas anämisch geraten.“ Die begeisterten Bloggerinnen von „Les Mads“ lassen sich von Hien Le gleich inspirieren: „Direkt nachmachen können wir eine gelungene Stylingidee aus der Show. Lange Blusen wurden einfach unter Miniröcke gelayert und blitzen so am Saum wieder hervor. So einfach, so gut.“

von Maja Heinrich

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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