Verteidigung will Bewährung

Ekel-Skandal und Pleite bei Müller-Brot: Haftstrafen gefordert

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Die Angeklagten ehemaligen Manager der Großbäckerei Müller-Brot Stefan H.(r-l), Jürgen K. und Klaus Ostendorf im Gerichtssaal.

Landshut - Mäuse, Kakerlaken und Schimmel in den Anlagen: Für die Ekelzustände und die folgende Pleite der bayerischen Großbäckerei Müller-Brot sollen drei Ex-Manager nach Meinung der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis.

Den Ekel-Skandal und die Pleite der Großbäckerei Müller-Brot sollen drei Ex-Manager des oberbayerischen Unternehmens mit Haftstrafen büßen. Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch vor dem Landgericht Landshut Gefängnisstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und fünf Monaten für das Trio. „Die Angeklagten haben an allen Fronten die Grenzen zur Legalität überschritten“, sagte Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller in seinem Plädoyer.

Demnach hatten die Ex-Chefs große Mengen Lebensmittel in den Handel gebracht, die nicht zum Verzehr geeignet waren. Zudem hätten sie sich der Insolvenzverschleppung, der Untreue und des Betrugs schuldig gemacht. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

Die Verteidigung forderte für einen der Angeklagten eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant habe sich nicht bereichert und zur Aufklärung des Falles beigetragen, sagte ein Anwalt eines ehemaligen Geschäftsführers. Er hätte aber wohl genauer hinschauen müssen. Die Verteidiger der beiden anderen Angeklagten beantragten jeweils Freispruch.

Hygieneskandal - Insolvenz - Entlassungen

Die Produktion in der Firma in Neufahrn war Anfang 2012 vom Landratsamt Freising gestoppt worden, nachdem trotz mehrfacher Kontrollen und Beanstandungen unter anderem Mäusedreck und Kakerlaken nicht beseitigt worden waren. Trotz Reklamationen von Kunden sei es „immer schlimmer“ geworden, sagte Staatsanwalt Rohrmüller.

Es habe auch wegen finanzieller Probleme Einsparungen gegeben - vor allem beim Reinigungspersonal und Putzmitteln. „Das Personal hat sogar vom eigenen Geld Reinigungsmittel gekauft, weil nichts da war“, erläuterte der Anklagevertreter. Zwei Wochen nach dem Produktionsstopp meldete das Unternehmen Insolvenz an. 1250 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Staatsanwalt: Manager haben trotz Insolvenz Waren eingekauft

Laut Staatsanwaltschaft hatten die drei Geschäftsführer trotz Zahlungsunfähigkeit Waren und sonstige Leistungen im Wert von rund 1,25 Millionen Euro in Auftrag gegeben. Die Lieferanten seien vertröstet, hingehalten und sogar mit ungedeckten Schecks abgespeist worden, betonte der Anklagevertreter.

Zudem fühlten sich die Angeklagten nahezu unantastbar. Einer der Angeklagten habe sogar geäußert, „dass das Landratsamt den Betrieb schon nicht schließen wird, weil Müller-Brot ein großer Arbeitgeber ist“, betonte Rohrmüller.

Ehemaliger Firmenchef soll sich bereichert haben

Zudem soll sich der ehemalige Firmenchef, ein passionierter Pferdezüchter aus Norddeutschland, persönlich bereichert haben, obwohl das Unternehmen bereits in eine heftige Schieflage geraten war. Von April 2010 bis 2012 bezahlte Müller-Brot mehr als 518 000 Euro für das Anbringen einer Werbetafel an dessen Gestüt - weit entfernt des Kerngebiets von Müller-Brot und auch dann noch pünktlich, als die Zahlungsunfähigkeit bereist feststand.

„Hier wurde Geld beiseite geschafft zum Schaden der Lieferanten und des Betriebes“, sagte Staatsanwalt Rohrmüller. Die Verteidigung des ehemaligen Chefs von Müller-Brot betonte, dass es sich bei diesen Zahlungen um das Geschäftsführergehalt ihres Mandanten gehandelt habe. Überdies habe der Angeklagte keine Kenntnisse von den vorgeworfenen Vorgängen gehabt.

In seinen letzten Worten betonte der ehemalige Firmenchef seine Betroffenheit über die Stilllegung des Betriebs. Zudem sei er erschrocken gewesen, als er die Fotos der Hygienemängel gesehen habe. „Da habe ich mich geschämt“, sagte der 70-Jährige, der in den Jahren vor der Pleite zahlreiche Millionen in das Unternehmen gesteckt und verloren hatte, unter Tränen.

dpa

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