Naturhistorisches Museum Braunschweig

Ein 
Elefantenembryo zum Neustart

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Rarität aus dem
Naturalienkabinett
von Herzog Carl I.: 
Elefantenembryo in der neuen „Schatzkammer“ des Naturhistorischen Museums.

Braunschweig - Ein Jahr hat der Umbau gedauert – jetzt eröffnet Braunschweigs Naturhistorisches Museum wieder und startet der Präsentation seiner ältesten Stücke.

So klein sieht man selten einen Elefanten, zumal wenn er so alt ist wie dieser: Seit 1780 gehört der kaum 40 Zentimeter große Elefantenembryo zum Kunst- und Naturalienkabinett von Herzog Carl I. – zusammen mit Trouvaillen wie einem ausgestopften Kolkraben, dem Skelett einer kaspischen Wasserschildkröte, Venusmuschelschalen, mumifizierten Seidenraupen und den angeblich weltweit einzigen Strümpfen aus Muschelseide. Nur ein Kuriositätenkabinett? Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums Braunschweig, stuft die 28 Kabinettstücke als Schätze ein. Für die hat er in dem Museum jetzt eigens eine „Schatzkammer“ einrichten lassen. „Diese Schätze sind nicht nur der Ursprungsbestand aller braunschweigischen Museen – indem Herzog Carl sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, hat er auch Deutschlands erstes öffentliches Museum gegründet.“

Das war 1753, also vor genau 260 Jahren. Das ist für Joger ebenso ein Jubiläumsanlass wie der 300. Geburtstag von Carl I., Herzog zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713–1780). Immerhin hat der mit seiner Sammlung Interesse an der Natur ebenso bekundet wie an ihrer künstlerischen Gestaltung. Der Panzer der Wasserschildkröte ist denn auch bunt bemalt, die Venusmuscheln sind mit japanischen Malereien verziert. „Carl war ein aufgeklärter Fürst, was sich auch daran erkennen lässt, dass in seinem Kabinett Porträts von Leibniz und Linné hingen.“

„Museum der Aufklärung“ nennt sich das Haus jetzt, und Konterfeis der beiden Forscher hängen auch zwischen den Wandvitrinen der „Schatzkammer“. Deren Eröffnung ist nur eine von mehreren Stufen des Neustarts nach gut einjähriger Renovierung des 1937 errichteten, teils noch vom Backsteinexpressionismus geprägten Museumsgebäudes und nach der noch andauernden Neuordnung der naturkundlichen Sammlung.

Zwischen dem Keller mit den Lebendabteilungen für Fische und Reptilien und den Obergeschossen mit Dioramen und dem „Dino-Saal“ mit einer meterhohen Saurierreplik soll in neu gestalteten Sälen ein größerer Teil der mit rund 450 000 Stücken riesigen Sammlung gezeigt werden. Immerhin wächst die Ausstellungsfläche durch den Umbau um 260 auf 1600 Quadratmeter. Die neuen Säle reflektieren dann außer der Naturgeschichte auch die Historie der Sammlungspräsentation: Neben der „Schatzkammer“ aus dem

18. Jahrhundert ist ein Schaumagazin geplant, wie es im 19. Jahrhundert üblich war und heute wieder in Mode kommt. Die Dioramen aus dem 20. Jahrhundert sind mit entspiegeltem Glas versehen worden. Und fürs 21. Jahrhundert ist ein „Entdeckersaal“ mit wenig Texten und vielen Touchscreens vorgesehen.

Vollendet sein wird die insgesamt mehr als zwei Millionen Euro teure Neugestaltung zur Jahresmitte 2014, schätzt der Museumsdirektor. Schon jetzt aber soll der Umbau neue Attraktivität entfalten und die jährliche Besucherzahl über die gewohnte 80 000er Marke heben. „Dies ist ein Kindermuseum – die meisten Besucher kommen dreimal: als Kinder, dann als Eltern und später als Großeltern“, sagt Joger und fügt hinzu: „Wir wollen mehr Publikum erreichen.“

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