Junge bleibt verschwunden

Wo ist der elfjährige Jeremie?

Hamburg - Jeremie bleibt verschwunden. Während die Polizei nach dem Elfjährigen sucht, werden neue Details über die Vorgeschichte bekannt. Die Familie des Kindes erhebt schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt.

Auch drei Tage nach seiner Flucht aus einem Wanderzirkus in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg ist der elfjährige Jeremie bisher nicht aufgetaucht. Es gebe noch keinen Hinweis auf das Versteck des Ausreißers, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag in der Hansestadt. Die Mutter und die Großeltern des Jungen erhoben unterdessen schwere Vorwürfe gegen das zuständige Jugendamt und die Zirkusfamilie. Die grüne Bürgerschaftsfraktion fordert, das Thema am 4. Dezember im Familienausschuss zu behandeln. „Dieser Fall wird immer dubioser", erklärte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin Christiane Blömeke.

Jeremie soll mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern von Lübtheen in Westmecklenburg nach Hamburg gefahren sein. Der Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD), bezweifelt allerdings nach Medienberichten, dass das Kind ohne Hilfe nach Hamburg gekommen sei. Alle Einstellungen am Transporter und der Kraftaufwand, der zum Lenken nötig sei, sprächen für einen erwachsenen Fahrer. Das Jugendamt Hamburg-Mitte hatte den Elfjährigen über einen Träger der Jugendhilfe in dem Wanderzirkus untergebracht.

Jeremies Mutter und seine Großeltern machen laut Medienberichten das Jugendamt, den Träger und die Zirkusfamilie für sein Verschwinden verantwortlich. "Er hat immer wieder weinend angerufen, ist geschlagen und ausgenutzt worden", sagte seine Mutter dem "Hamburger Abendblatt" (Freitag). „Er wollte nur zurück zu uns. Man hat ihn gezwungen, Diesel zu klauen und morgens um sechs Uhr die Ställe auszumisten. Schlafen muss er in einem unbeheizten Bauwagen." Die Großmutter sagte der „Bild"-Zeitung (Freitag): „Wir wollten mit Jeremie Weihnachten feiern, aber das Amt hat das verboten."

Die Unterbringung des Kindes in dem Wanderzirkus koste die Stadt Hamburg mehrere Tausend Euro monatlich, teilte die Grünen-Fraktion mit. „Eine pädagogische oder sozialpädagogische Ausbildung hatten die Betreuer der sogenannten Fachpflegestelle im Zirkus nicht." Auch die rechtliche Grundlage der Unterbringung sei fragwürdig und völlig unklar.

dpa

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