Schulpolitik in Niedersachsen

Eltern müssen draußen bleiben

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Frauke Heiligenstadt lädt zur Diskussion – jedoch ohne den Verband der Elternräte der Gymnasien.

Hannover - Kultusministerin Frauke Heiligenstadt will offen über Stress an Gymnasien reden, aber nicht mit jedem. Beim Dialogforum „Gymnasien gemeinsam stärken“ ist der Verband der Elternräte der Gymnasien nicht eingeladen – das stößt auf Unverständnis.

Alle sind eingeladen, Kommunalverbände, Landtagsfraktionen, diverse Lehrerverbände, Kirchen, Unternehmerverbände, Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk und Industrie, der Landeseltern- und der Landesschülerrat. Aber ein Elternverband bleibt außen vor beim Gymnasialgipfel, zu dem Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) für Montagnachmittag in die Evangelische Akademie Loccum (Kreis Nienburg) einlädt. Der Verband der Elternräte der Gymnasien, gern gesehener Gast bei den Versammlungen der Philologen und der Direktorenvereinigung, darf an dem Dialogforum „Gymnasien gemeinsam stärken“ nicht teilnehmen.

„Wir können das nicht nachvollziehen“, sagt Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin des Elternverbandes. „Da predigt die Landesregierung immer wieder den Dialog, aber gehandelt wird ganz anders, dabei vertreten wir doch zwei Drittel der knapp 300 Gymnasien.“

Die Proteste von der Opposition und Verbänden wie der Direktorenvereinigung nutzen nichts, selbst Sozialdemokraten wie Bildungsexperte Claus Peter Poppe und Fraktionschefin Johanne Modder setzten sich vergeblich ein. Der Verband wurde vom Ministerium nicht eingeladen, auch dann nicht, als einige der ursprünglich vorgesehenen Teilnehmer abgesagt hatten. Kultusministerin Heiligenstadt verwies am Freitag noch einmal darauf, dass man unmöglich alle Bildungsverbände einladen könne, allein im Gymnasialbereich gebe es rund 50 Organisationen. Das Gremium, das die Eltern gesetzlich vertrete, sei der Landeselternrat. Zudem sei der Gipfel ein erster Austausch, spezielle Themen sollen dann in Fachforen weiter diskutiert werden, über deren Besetzung könne man ja noch reden. Sie sei mit dem Verband der Elternräte dennoch im Gespräch, betonte Heiligenstadt. Noch im Juni gebe es ein Treffen.

In Loccum wollen rund 50 Teilnehmer von 30 Organisationen über die Auswirkungen des verkürzten Abiturs an den Gymnasien debattieren. Die Frage, ob man zurück zum Abitur nach 13 Jahren will, oder ob es reicht, die Rahmenbedingungen für G8 zu verbessern, sei bei den Bildungsexperten umstritten, sagte die Ministerin. „Pro und kontra hält sich die Waage.“ Die GEW, der Philologenverband, aber auch der Verband der Schulmusiker hatten am Freitag für G9 an den Gymnasien plädiert. Heiligenstadt will sich mit der Entscheidung Zeit lassen. Neue Formen der Leistungsüberprüfung, die mögliche Reduzierung der Prüfungsfächer im Abitur von fünf auf vier und die Entschlackung der Lehrpläne sind weitere Themen des Gipfels. Diskutiert wird hinter verschlossener Tür. „Wir wollen keine Schaufensterdebatte“, sagte Heiligenstadt.

Es gehe um eine Stärkung der „beliebten Schulform“, sagte sie weiter und widersprach damit deutlich Vorwürfen der Opposition, die schon seit Wochen einen „Krieg gegen die Gymnasien“ wittert. So hatte FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisiert, dass an den Gymnasien 330 Lehrer in den Ruhestand gehen, aber nur 225 Stellen neu besetzt werden, während an den Gesamtschulen nur 170 Lehrer pensioniert, aber 370 Pädagogen neu eingestellt werden. Heiligenstadt sprach von einer bedarfsgerechten Verteilung. So seien viele der neuen Gesamtschulen noch im Aufbau, hinzu kämen fünf neue ab diesem Sommer. Einige Gymnasien seien mit einer Unterrichtsversorgung von 106 oder 107 Prozent besonders üppig ausgestattet, diese könnte durchaus auf das Landesmittel von 100,2 Prozent sinken.

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