Bundeswehr gibt Soldaten-Knigge heraus

Das Ende der Kriegsbemalung

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Hannover - Regenschirm erlaubt, Tattoos und Piercings indes nicht: Die Bundeswehr regelt das „Erscheinungsbild“ ihrer Soldaten neu und möchte alles „dezent“ haben. Und wer fragt, wie das zu verstehen ist, wird in einer Fußnote aufgeklärt: „dezent = unaufdringlich, nicht auffallend, (...) vornehm-zurückhaltend“.

Jetzt haben es die Soldaten schwarz auf weiß: „Der Teilhabe an modischen Entwicklungen sind Grenzen gesetzt“, heißt es in einem neuen Erlass, der am 1. Februar in Kraft tritt. Weil so vieles in der Armee umgekrempelt wird, fiel im Verteidigungsministerium auch der Blick auf eine Vorschrift, die schon seit Mai 1972 gilt und seither nahezu unverändert „Die Haar- und Barttracht der Soldaten“ regelt.

Im Prinzip gilt die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 37/10 weiter. „Die Haare der Soldaten müssen kurz geschnitten sein, Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt sein“, heißt es weiterhin. Aber dann kommt es: Irokesenschnitte, Ornamentschnitte und sogenannte Sidecuts sind genauso wenig erlaubt wie starke Kontraste bei Haarfärbungen.

„Dezent“ soll das „äußere Erscheinungsbild“ sein. Und wer fragt, wie das zu verstehen ist, wird mithilfe einer Fußnote aufgeklärt: „dezent = unaufdringlich, nicht auffallend, feinfühlig, taktvoll, vornehm-zurückhaltend“.

"Körpermodifikationen" sind abzudecken ...

Am gravierendsten für viele junge Leute in der Truppe aber dürfte sein, was künftig für Tätowierungen, Piercings, Implantate, Brandings und Zahnveränderungen gilt. „Körpermodifikationen und Körperbemalungen“ sind nur mit Einschränkungen erlaubt. Tätowierungen dürfen im Dienst nicht zu sehen sein, müssen also in „geeigneter und dezenter Weise“ abgedeckt werden. Körperbemalungen, auch temporäre, dürfen auf keinen Fall diskriminierend oder pornographisch sein oder gar gegen das Grundgesetz verstoßen.

Die Verfasser der neuen Vorschrift scheinen die Wirklichkeit in der Armee gut zu kennen und haben so gut wie keinen Bereich ausgeblendet. So ist fest verbindlich geregelt: „Soldatinnen und Soldaten halten ihre Fingernägel kurz“. Auf keinen Fall dürfen die Fingernägel die Fingerkuppe überragen. Nur Klarlack ist erlaubt.

Bevor Generalinspekteur Volker Wieker die neue ZDv genehmigte, wurden auch wichtige Kleinigkeiten geklärt. So werden künftig nur maximal zwei Fingerringe akzeptiert, Freundschaftsbänder und Halsketten aber gar nicht.

... Regenschirme indes sind problemlos

Neu für viele Soldaten wird sein, dass unter bestimmten Voraussetzungen Regenschirme getragen werden dürfen, nämlich nur zum Dienst-, aber nicht zum tarnfarbenen Kampfanzug und nur, wenn sie einfarbig schwarz und schlicht sind. Damit es auch bei Regenwetter nicht zu bunt wird, ist Vorgesetzten gestattet, „zur Wahrung der Einheitlichkeit“, die Verwendung von Regenschirmen zeitlich und räumlich befristet zu untersagen.

Ob alle neuen Regelungen praxisgerecht und überprüfbar sind, wird sich noch erweisen. So möchten einige Soldaten unbedingt wissen, welche Folgen es für sie hat, wenn sie in Uniform in einer Fußgängerzone verbotenerweise Ohrhörer nutzen, die sie erlaubterweise zuvor bei einer Bahnfahrt aufgesetzt haben. Ärgern tun sich indes nur wenige Soldaten über die neuen Vorschriften, „aber dass es noch Diskussionen geben wird, das ist ja ganz klar“.

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