Zertifikate

Endlich Lehrer für den Islamunterricht

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Foto: Vom Herbst an können sieben Grundschullehrer das neue Fach „Islamische Religion“ an Niedersachsens Schulen unterrichten.

Hannover - Die ersten sieben Pädagogen dürfen jetzt an niedersächsischen Grundschulen islamischen Religionsunterricht geben. Die Lehrer bekamen ihre Zertifikate überreicht, mit dabei: Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf (SPD).

Sie haben lange für das Zertifikat gebüffelt, sich in die islamische Theologie eingearbeitet, in die Geschichte und historischen Schriften. Am Donnerstagabend haben sie in einer kleinen Feierstunde in einer Moschee an der hannoverschen Stiftstraße die hart erarbeitete Urkunde in die Hand bekommen, die Idschaza, die Lehrerlaubnis. Vom Herbst an können sieben Grundschullehrer das neue Fach „Islamische Religion“ an Niedersachsens Schulen unterrichten.

„Das ist ein historischer Tag“, sagt Avni Altiner, Vorsitzender der Schura, der unabhängigen Moscheegemeinden.So sieht es auch Yilmaz Kilic von der Ditib, die die türkischen Moscheegemeinden vertritt. „Früher war es so, dass die Kinder, die einen islamischen Glauben hatten, im Förderunterricht versteckt worden sind“, sagt Kilic in einer kleinen Feierstunde mit der Integrationsbeauftragten Doris Schröder-Köpf (SPD). „Ich habe das bei meinen eigenen Kindern erlebt, die heute in Deutschland islamische Theologie studieren“, fügt Kilic an, der aus Melle zu der kleinen, herzlichen Zeremonie gekommen ist. Die Entwicklung des islamischen Religionsunterrichtes, der seit 2003 nur als Schulversuch an 40 Schulen Niedersachsens erprobt wurde, sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, sagt Kilic.

Das bestätigt auch Avni Altiner, der die Verleihung der Lehrerlaubnis als weiteren Akt der Emanzipation der lange in Deutschland lebenden Einwanderer sieht.

„Wir kommen langsam zur Normalität, dass Ahmed mit Hans über Josef oder Abraham streiten kann“, sagt Altiner. Ihn freut, dass die Moslems jetzt so behandelt werden wie Katholiken und Protestanten, die auch ihren konfessionellen Religionsunterricht haben. Jetzt fehle nur noch ein Staatsvertrag.

Die Pädagogen, es sind drei Frauen und vier Männer, strahlen wie auch die Integrationsbeauftragte Schröder-Köpf. Sie berichtet, als Schülerin mit dem Fach katholische Religion schwächere Leistungen in anderen Fächern ausgeglichen zu haben. „Ich hoffe, dass die Schüler sie mögen“, sagt sie an die Adresse der Pädagogen, die aus Wolfsburg, Braunschweig oder Hannover kommen, und meist als Lehrer für Arabisch angefangen haben, wie etwa der Wolfsburger Rafik Dallali, ein gebürtiger Tunesier, oder Monia Medhioub, die jetzt in Northeim unterrichtet.

An gleich vier hannoverschen Grundschulen unterrichtet Jamila Touaiti, die neben Kindererziehung, Schulunterricht noch die anspruchsvolle Fortbildung absolviert hat.

„Wir haben jetzt sieben Lehrer, wir brauchen aber 200“ sagt Firouz Vladi, der einem speziell für den Islamunterricht gegründeten Beirat vorsteht. Immerhin, der Anfang sei jetzt gemacht.

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