Celle

Erdölindustrie geht die Luft aus

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Kontrolle an einer Verteilerstation: In Niedersachsen sind rund 20.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Erdölindustrie abhängig.

Celle/Hannover - Die Erdölindustrie in Celle steckt in der Krise. Als Grund wird neben dem niedrigen Erdölpreis und den Russland-Sanktionen auch der seit Jahren dauernde Streit um die Fördermethode Fracking genannt. Bei der Traditionsfirma Itag sind derzeit etwa die Hälfte der 220 Jobs in der Tiefbohr-Sparte in Gefahr.

Langfristig seien sogar mehrere Tausend Arbeitsplätze betroffen, warnen Branchenvertreter.

Bereits seit August 2014 waren Teile der Belegschaft bei Itag auf Kurzarbeit gesetzt, schreibt die „Cellesche Zeitung“. Nun würden Sozialpläne geschrieben und Kündigungen ausgesprochen. Kein Einzelfall in der Branche. „In vielen Unternehmen hat es bereits Entlassungen gegeben“, sagt Miriam Ahrens, Sprecherin des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG).

Andere Firmen würden verstärkt zu Kurzarbeit greifen, Namen nennt sie dabei nicht. Ahrens macht insbesondere die Diskussion um die umstrittene Gasfördermethode Fracking, bei der Gesteinsschichten hydraulisch aufgebrochen werden, um das gebundene Gas fördern zu können, für die Misere verantwortlich. „Das lässt sich nicht leugnen, dass das für uns ein Problem ist“, sagt sie. Den Unternehmen fehle die Rechtssicherheit, deshalb würden sie nicht in neue Bohrungen investieren. Außerdem gebe es derzeit in Deutschland ohnehin einen Genehmigungsstopp, neue Fracking-Bohrungen würden gar nicht zugelassen.

Auch die Landesregierung hat das Problem bereits erkannt. „Es gibt seit Monaten regelmäßige Gespräche“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) der HAZ. „Drei Krisenherde“ seien für die Lage der Branche verantwortlich, so Lies: Der gesunkene Ölpreis, der Bohrungen in Deutschland wenig attraktiv mache. Die EU-Sanktionen gegen Russland infolge der Ukraine-Krise, die vor allem den technischen Dienstleistern und Zulieferern von Bohrtechnik wie eben Itag Probleme mache, weil ihnen ein großer Markt weggebrochen sei. Und es gebe mit der Fracking-Debatte eine hausgemachte Hürde, so Lies. Deshalb dürfe das Gesetz auch nicht auf die lange Bank geschoben werden. „Ich dringe darauf, dass wir Klarheit bekommen“, damit Unternehmen wieder investieren können.

Niedersachsen unterstützt den Gesetzentwurf der Bundesregierung, der Fracking enge Grenzen setzt, es aber nicht ganz abschafft, wie etwa Niedersachsens Grüne fordern. So sollen Fracking-Bohrungen nach dem Willen der Landes- und Bundesregierung nur in besonders hartem, oberflächennahen Gestein gänzlich verboten sein. In tiefer liegenden, weniger harten Gesteinsschichten sollen Fracks unter Auflagen erlaubt sein. So soll etwa eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben werden. Hohe Anforderungen, räumt auch Lies ein: „Es ist eng, aber nicht so eng, dass es nicht mehr geht.“ Entscheidender für die Unternehmen sei die Rechtssicherheit, die mit dem Gesetz geschaffen werde.

Fracking müsse weiterhin in Deutschland und Niedersachsen möglich sein, um den Bestand von Fachkräften zu sichern, meint Lies. Wenn die Technik nicht mehr angewendet werden könne, würde nach der Förderung auch die Forschung verschwinden.

Das könnte deutliche Auswirkungen haben. Allein im Raum Celle sind 8000 Jobs direkt oder indirekt von der Erdölindustrie abhängig, in ganz Niedersachsen sind es nach Angaben des Wirtschaftsverbands WEG rund 20.000 Arbeitsplätze.

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